Von Respekt und Rücksichtnahme

Last Updated on 5. März 2022 by Mirjam Wicki

Nettes Foto von mir, oder?

Ehrlich gesagt, ist es mir sogar etwas zu nett.

Kann man zu nett sein?

Gedanken über den Umgang miteinander im Jahr 2021.

Willkommen in Mirjams Café: Nimm dir einen Kaffee oder etwas Stärkeres, denn heute will ich hier über Respekt und Rücksichtnahme sprechen.

Als Autorin habe ich die Fähigkeit, mich in verschiedene Figuren einzufühlen. Könnte ich das nicht, wären alle meine Buchcharaktere gleich und das gäbe doch eher langweilige Bücher.

Ich habe es immer als Stärke gesehen, dass es mir auch im realen Leben leichtfällt, verschiedene Meinungen zu verstehen, die Gefühle anderer Menschen zu respektieren und die Welt nicht in Richtig und Falsch einzuteilen. Rücksicht nehmen, freundlich sein, mich auf mein Gegenüber einlassen sind Dinge, die ich gut kann.

Als Systemisch-Lösungsorientierte Beraterin bin ich Verfechterin eines Konstruktivismus, der sagt, dass wir zumindest einen Teil unserer Wirklichkeit selbst kreieren. Ich weiss, dass alle meine Buchfiguren einen Teil von mir repräsentieren und ich zumindest einen Hauch ihrer Erfahrungen brauche, um sie schreiben zu können. Ich weiss auch, dass es trügerisch ist zu glauben, ich könne meine Mitmenschen verstehen, da ich sie immer aus meiner Warte wahrnehme und in meine Erfahrungswelt einsortiere.

Dennoch: Meine Feinfühligkeit macht es mir leicht, respekt- und rücksichtsvoll zu sein.

Und dann kam 2021. Das Jahr, in dem meine Rücksichtnahme an ihre Grenzen kam. Das Jahr, in dem ich merkte, dass es nicht funktioniert, wenn sie in erster Linie von einer Seite ausgeht. Dass dies im schlimmsten Fall allen schadet, auch der Person, auf die ich Rücksicht nehmen wollte. 2021, das Jahr, in dem ich fassungslos dabei zusehe, wie Menschen sich weigern, solidarisch zu sein, und es Freiheit nennen. Und dabei so unfassbar laut sind!

2021, das Jahr, in dem mein langjähriges Verhaltensmuster nicht mehr funktioniert, weil es nicht sein kann, dass die Feinfühligen, Gspürigen, Rücksichtsvollen schweigen und das Feld den Lauten und Extremen überlassen, egal welche Meinung diese vertreten.

#MiteinanderStattGegeneinander, einer meiner Lieblings-Hashtags in der Gemeinschaft der Buchmenschen, soll weiterhin in möglichst allen Bereichen meines Lebens gelten. Ich will mir den Respekt vor anderen Menschen und ihren Meinungen bewahren. Und nun kommt ein fettes ABER (und glaubt mir, ich meide dieses Wort wann immer möglich):

ABER ich schweige nicht mehr aus Rücksicht! Wenn mein Gegenüber seine Meinung kundtun darf, darf ich es auch. Leiser vielleicht, aber nicht weniger überzeugt.

Seht es mir nach, wenn ich Zeit brauche bei diesem Lernprozess und Fehler mache auf dem Weg.

Wie immer sind die Kommentare offen für eure Gedanken. Oder du schreibst mir über das Kontaktformular, wenn dir das lieber ist. Ich freue mich über den Austausch!

2 thoughts on “Von Respekt und Rücksichtnahme”

  1. Liebe Mirjam, wenn du nichts dagegen hast, mache ich mir einen schwarzen. Was darf ich dir mitbringen?

    Ich bin ganz bei dir. In meinem Umfeld gibt es Menschen, mit denen ich über das Miteinander während einer Pandemie diskutiere.
    Nicht mal ums Impfen, jedem seine Entscheidung, aber über die Rücksichtnahme ggü anderer Menschen. Maske aufsetzen, sich testen oder testen lassen und Corona allgemein.
    Die Menschen sind so egoistisch geworden und sehen nur noch ihr eigenes kleines Reich und ihnen ist egal, wie es andere geht.

    Das die Menschen in der Pflege und in medizinischen Berufen deswegen über ihre Grenzen gehen, oft nicht mehr können, ist ihnen egal.
    Für sie ist es auch egal, die Mitarbeiter in einem Supermarkt respektvoll zu behandeln. Es gibt auch für sie seit Beginn der Pandemie kaum Durchschnaufpausen.

    Ja, wir müssen lauter werden, wir müssen unsere Meinung sagen, so schwer es uns auch fällt. Und wir können nur weiter vorleben, was Menschlichkeit, respektvoller, wertschätzender Umgang bedeutet.

    Ich hoffe, wenn wir nur eine Person dadurch erreichen, haben wir diese, sie erreicht vielleicht wieder zwei. Wie der Kiesel im Teich, der immer weitere Kreise zieht.

    Danke für den Tee und ich freue mich auf den nächsten Besuch in deinem Cafe, auch wenn er oft leise und still stattfindet.

    Liebe Grüße
    Nella

  2. Liebe Nella, schön, dass du hier bist! Entschuldige bitte, dass ich erst so spät dazukomme, ich war eingespannt als Lernhilfe für meine Tochter 🙂
    Vielen Dank für deine Gedanken und Ergänzungen zu meinem Text. Du hast recht: Es geht auch ums Vorleben eines respektvollen Umgangs, nicht nur ums Kundtun der Meinung. Ich glaube, das gelingt mir in meinem Umfeld ganz gut.
    Paradox ist halt, dass ich im erweiterten Umfeld oft schweige, weil ich niemanden verletzen will, und das führt dann wieder dazu, dass meine Ansichten zum Thema Respekt und Rücksicht nicht gehört werden.
    Ich wünsche uns allen sehr, dass wir aus der Egoismus-Spirale wieder rauskommen. Vielleicht so, wie du schreibst: Als Kettenreaktion, wenn wir es wagen, zu unseren Ansichten zu stehen.

    Herzlich, Mirjam

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