Last Updated on 24. Juni 2026 by Mirjam Wicki
Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.
Vitsand
Ich war mit Noemis Ebike in den nahen Nationalpark Tiveden gefahren. «Beim weissen Sand ist es schön», hatte die deutsche Wwooferin gemeint. Vitsand war einfach zu finden auf Maps und auch schon früh mit Wegweisern gekennzeichnet. Vitsand würde es also sein.
Irgendwann war ich mir dann doch unsicher, ob ich nicht vom Weg abgekommen sei, und schaute noch einmal auf Maps nach. 3 min mit dem Velo bis zum Ziel. Mit dem Ebike also höchstens 2 min. Noch war ich aber mitten im Wald. Ein paar Autos und Wohnmobile hatte ich getroffen, sonst war da nichts, was auf eine Touristenattraktion hindeutete.
Ich fuhr die zwei Minuten, passierte einem Parkplatz, bog um die Ecke – und sah immer noch nichts. Noch etwa hundert Meter, und da war er – der weisse Sandstrand mitten im Nationalpark. Von Nadelbäumen umgeben. Felsen am einen Ufer. Ein paar Menschen im Wasser und am Strand. Umkleidekabinen. Wanderwegweiser. Touristisch ja, und gleichzeitig der friedlichste Ort, den man sich vorstellen kann.
Ich schloss das Ebike ab, setzte mich an einen Tisch im Nadelwald, ass und trank etwas. Und dann ab in die Umkleidekabine, ins Bikini, in den See!
Er ist flach, der See beim weissen Sand. Ich schwamm ein bisschen, kniete aber hauptsächlich einfach im weichen Sand, genoss das einigermassen warme Wasser, das mich umspülte, die berauschende Umgebung, die Schönheit um mich herum, die Stille, die regelmässig von zwei schwedischen Mädels unterbrochen wurden, die im See herumplantschten und aus voller Kehle «My heart will go on» über das Wasser schmetterten.
Und da war er: Der Moment, in dem ich realisierte, dass ich wirklich hier bin.
Eine Woche nach meinem Aufbruch von zu Hause, der langen Fahrt auf Sitz 111, der leichten Atemlosigkeit, bis ich auch wirklich sicher auf der Fähre nach Schweden war.
Nun sass ich in diesem See und war überwältigt. Ich habe die Möglichkeit für diesen Urlaub bekommen, und ich habe sie gepackt. Habe gewünscht, recherchiert, geplant. Bin gereist und angekommen.
Abendroutine
Vorgestern ist mir aufgefallen, dass ich keine Abendroutine habe im Haus Astrid. Klar, die Abende laufen unterschiedlich ab, je nachdem ob ich nach dem Abendessen etwas mit den anderen mache, ob ich mit jemandem zu Hause telefoniere oder ob ich einfach für mich bin.
Aber immer kommt einmal der Moment, in dem ich mit mir allein im Haus bin. Zu müde zum schreiben, zu wenig müde, um schon ins Bett zu gehen. Und dann sitze ich da, oft mit dem Handy in der Hand, und weiss nicht so recht.
Aber jetzt habe ich ja meine potentielle Elch-Lichtung. Den Pfad, den ich mich auch in der Dämmerung zu gehen getraue.
Zweimal sind noch keine Routine, aber ein Abendspaziergang und dann eine Tasse Tee auf dem Sofa, während ich auf den See (und ja, auch ins Handy oder in den E-Reader) schaue und der Welt beim Nie-ganz-dunkel-werden zuschaue, das könnte eine werden.
Da war übrigens noch so ein magischer Moment, als ich in der Dämmerung spazieren war. Elche waren keine in Sicht, aber plötzlich sprangen einige Meter vor mir zwei kleine, braune, pfeilschnelle Tiere auf den Pfad. Junge Füchse? Hasen? Sonst etwas Flauschiges?
Ich blieb stehen. Da waren sie wieder! Zwei Hasen, die sich ein Wettrennen oder sonst ein Battle lieferten. Ganz in meiner Nähe, in der schwedischen Abenddämmerung.
Die Pfannkuchentorte
Die deutsche Wwooferin hatte Lust, eine Pfannkuchentorte wie in Pettersson und Findus zu machen. Zu unser aller Glück hatte sie nicht nur Lust darauf, sondern machte sie tatsächlich.
Auch ein magischer Moment, in die Gemeinschaftsküche zu kommen, und dann steht da einfach diese Torte aus Pfannkuchen, garniert mit Erdbeeren. Sie stand übrigens nicht lange so da.
Liebes Reisetagebuch, wie schön, dass ich hier sein darf!

