Last Updated on 25. Juni 2026 by Mirjam Wicki
Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.
Im Loppis-Paradies Motala
Von Ferien in Schweden war mir nicht nur das Konzept der Fika bekannt, sondern auch die Vorliebe der schwedischen Bevölkerung für ihre Loppis (Flohmärkte/Brockenstuben). Gefühlt sahen wir auf unseren Büslireisen alle paar Kilometer ein entsprechendes Schild oder einen Wegweiser. Diejenigen, die wir besuchten (oft waren sie mit einem Café verbunden), fand ich toll. Schöne Dinge, schön arrangiert. Auch kuriose Dinge, schön arrangiert.
Daher sagte ich gern zu, als Bruno und Noemi mich auf eine Loppis-Tour einluden. Für sie sind Loppis nicht nur zum Schauen und um sich an Schönem und Kuriosem zu freuen, sondern sie richten mit den Gegenständen die Ferienwohnungen auf Åboholm ein. Astrid brauchte zum Beispiel noch eine Ständerlampe für die Stube und eine Bratpfanne. Ich wünschte zudem ein paar Vorratsdosen für Kaffee, Haferflocken und so. Sven könnte einen Teppich mehr vertragen, und grundsätzlich wären Gartenmöbel und ein grosser Tisch eine gute Sache.
«Wir fahren nach Motala, das ist ein Loppis-Paradies», hatte Bruno gemeint. Auch würden wir dort gleich eine neue Wwooferin aus der Schweiz abholen. Die Autofahrt von Åboholm nach Motala dauert ungefähr eine Stunde, führt durch Wälder und Felder und bietet ein paar spektakuläre Ausblicke auf den Vättern, den zweitgrössten See Schwedens. Unterwegs machten wir noch Halt in einem Baumarkt (man kann nie genug Baumärkte sehen, oder?), dann steuerte Noemi das Industriegebiet von Motala und den ersten Loppis an.
Återvinningen war er angeschrieben. «Den kennen wir noch nicht. Mal schauen, was er taugt», meinte Noemi. Was soll ich sagen? Er taugte grossartig! Der Wwoofer aus Polen, der ein T-Shirt brauchte, fand eines. Ich kaufte eine perfekt passende Kaffeebüchse für Astrids Küche und bereute es wirklich, dass ich keine Ferienwohnung einzurichten habe. Was es da an Geschirr, Dekosachen, Küchengeräten, Möbeln, Einrichtungsgegenständen, … hatte!
Aber eben, da es kein Ferienhaus zum Einrichten gibt und der Platz in meinem Koffer beschränkt ist, hatte ich nach ein paar Runden durch den Loppis genug gesehen. Ich bezahlte meine Kaffeebüchse und setzte mich draussen auf ein Bänkli. Bald bekam ich Gesellschaft vom Wwoofer und seinem neuen Shirt. Da er mit dem Velo unterwegs ist und noch weniger Platz übrig hat in seinem Gepäck als ich, war auch er fertig mit diesem Loppis.
Und so sassen wir da, unterhielten uns miteinander und mit unseren Handys (die Aussicht war ausnahmsweise mal nicht soooo berauschend, s. Foto unten) und halfen schliesslich Noemi und Bruno, die gekauften Gegenstände in den Anhänger zu verladen.
Die nächsten beiden Loppis (immer noch im Industriegebiet von Motala) waren leider geschlossen. Vom einen hatte Bruno es gewusst, der andere (mit dem schönen Namen Loppis & Ägg, weil logisch verkauft man in seinem Loppis auch Eier, wenn man welche hat) war geschlossen, obwohl er laut Öffnungszeiten bis 17 Uhr offen sein müsste (und es war erst 16.50 Uhr). Das war sehr schade, denn durch die Fenster sahen wir richtig schöne Dinge und die Lounge vor der Tür wäre perfekt für Åboholm.
Wir fuhren zum Bahnhof und holten die neue Wwooferin ab. Die nächsten beiden Loppis, die wir in Motalas Zentrum ansteuerten, waren auch geschlossen. Der eine aus dem schönen Grund, dass der Sommer endlich hier sei und man deshalb nur noch bis 14 Uhr geöffnet hätte. Ein guter Grund für uns, ein Glacé zu kaufen, bevor wir weiterfuhren.
Auf dem Weg zum Einkaufszentrum für einen Åboholm-Grosseinkauf (und war da etwa noch ein Baumarkt?) passierten wir noch einen Loppis. Dieser hatte bis 18 Uhr geöffnet, und es war 17.50 Uhr. «Zehn Minuten, das schaffen wir!», motivierte Bruno. Wir schafften zwei Bratpfannen, einen Gartentisch und ein wenig Kleinkram.
Åboholm
Je näher wir auf der Heimfahrt Åboholm kamen, desto mehr wuchs die Spannung. Die junge Wwooferin, die den Ort zum ersten Mal sehen würde, war vorfreudig aufgeregt. Bruno und Noemi sassen schmunzelnd vorne im Auto, wohl wissend, dass sie den Ort lieben würde. Und ich sass neben ihr und war mit ihr aufgeregt. Weil ich wusste, wie es ist, wenn man nach Åboholm gefahren wird. Wenn aus den Bildern im Internet und der Vorstellung, die man sich gemacht hat, Realität wird. Eine Realität, die wahrscheinlich kein Foto jemals wirklich wird abbilden können.
War sie begeistert, als wir ankamen? Javisst!
Wir assen spät an diesem Abend und verschoben Fun Facts auf den nächsten Tag. Stattdessen gingen Noemi, Bruno, die junge Schweizerin und ich noch für einen Abendschwumm in den See. Natürlich von der neuen Plattform aus. Und natürlich war es magisch schön.
Liebes Reisetagebuch, Loppis-Dinge werde ich keine nach Hause nehmen können. Aber so viele Erinnerungen!

