Reisetagebuch Tag 11: Ferien von den Ferien

Last Updated on 27. Juni 2026 by Mirjam Wicki

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Einfach sein

Meine erste Woche in Åboholm war geprägt von Begegnungen, Erlebnissen, Eindrücken. Niemals hätte ich gedacht, dass mein Aufenthalt in the middle of nowhere (so hat es ein schwedischer Geschäftspartner meines Mannes ausgedrückt, als er sich den Ort auf Maps angeschaut hat) so viel Abwechslung bieten würde.

Am Freitag gönnte ich mir einen Tag Ferien von den Ferien. Trotz weiterhin wunderbarem Wetter ging ich nicht auf Entdeckungstour, probierte keine neuen Dinge aus und führte keine langen Gespräche mit den anderen Mitgliedern der Åboholm-Gemeinschaft (gut, ausser einer spannenden Diskussion beim Kaffee mit Noemi über ihre Erfahrungen mit Wwoof).

Ich nutzte den Morgen zum Schreiben auf der Terrasse von Haus Pija (Astrids Gärtchen wurde von Lasse, dem Rasenmähroboter, getrimmt). Den Nachmittag verbrachte ich mit lesen und an der Sonne liegen.

Erst nach dem Abendessen packte ich meine Badesachen und ging vom neuen Steg (es hat jetzt auch eine fast fertige Treppe vom Pfad zum Steg runter!) aus in den See. Während ich nach dem Schwimmen auf dem Steg sass, hörte ich plötzlich von hinten und vorne Schreie.

Kraniche

«Sie schreien», hatte mir die deutsche Wwooferin am Vortag erklärt, als ich fragte, was die Kraniche (die gerade am Fenster vorbeigeflogen waren und die ich leider verpasst hatte) für Geräusche machen würden. Ich hatte mir nichts darunter vorstellen können, aber jetzt war mir klar: Wer so schreit, muss ein Kranich sein! Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis einer über den See geflogen kam, erst direkt auf mich zu, dann drehte er ab und machte eine Runde über das andere Ende des Sees. Die Schreie verstummten, der Kranich kam für den Moment nicht wieder, und ich ging zurück zu Astrid für einen gemütlichen Ferien-Leseabend.

Eisenwerte

Falls du dir bei meinen Beschreibungen des Sees bis jetzt einen klaren, hellen, birkenumrandeten schwedischen See vorgestellt hast, muss ich diese Vorstellung korrigieren. Rund um beide Seen, die ans Anwesen grenzen, hat es Mischwald. Ja, es gibt viele Birken, aber der untere See ist hauptsächlich von Nadelbäumen umgeben. Das Wasser ist dunkel, nicht wegen der Bäume, sondern wegen dem Eisen im Wasser. Auf Åboholm wurde schon im 18. Jahrhundert Eisenerz gewonnen und verarbeitet, und natürlich ist dieses Eisen immer noch hier. Das sieht man nicht nur an der Färbung des Seewassers, sondern schmeckt es auch im Trinkwasser.

Noemi hat übrigens einen Selbsttest gemacht und vor und nach einem Aufenthalt auf Åboholm ihre Eisenwerte messen lassen. Leider hatten weder das tägliche Schwimmen im See, noch das Trinkwasser einen Einfluss auf die Werte. Das wäre mal eine Einnahmequelle für Åboholm, wenn alle Frauen mit Eisenmangel einfach hier Ferien machen und ihre Speicher auffüllen könnten!

Liebes Reisetagebuch, Åboholm mag keine Eisenspeicher füllen, dafür umso mehr die Relaxspeicher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert