Reisetagebuch Tag 20: Åboholm

Last Updated on 6. Juli 2026 by Mirjam Wicki

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Die letzten Tage

Noch drei ganze Tage auf Åboholm. Ja, heute habe ich gezählt.

«Fühlt es sich anders an?», wollte Bruno wissen.

«Ja, schon. Ich bin nicht mehr ganz so entspannt, sondern fange an, mir zu überlegen, was ich unbedingt noch machen will, solange ich hier bin.»

«Was willst du denn noch machen?», fragte eine der Wwooferinnen.

«Wenn das E-Bike geflickt werden kann, möchte ich doch noch zum Wandern in den Nationalpark. Und noch einmal zum Fagertärn. Ich könnte auch noch zur Bäckerei wandern.»

Beim Aufzählen merkte ich, dass das alles gar nicht so wichtig ist. Ich habe so viel erlebt, so viel gesehen. Zu Hause werde ich nicht über das nachdenken, was ich nicht erlebt habe, sondern über das, was ich während meiner Zeit hier gemacht, gesehen und gefühlt habe.

«Åboholm geniessen», beendete ich meine Aufzählung.

Im See schwimmen, auf dem Steg sitzen, an meinen und Astrids Tischen schreiben, häkeln, Nachrichten schreiben. Vielleicht noch einen verwunschenen Pfad entdecken und den bekannten noch ein-, zwei-, dreimal folgen. In der Gemeinschaftsküche essen, lachen, diskutieren. Die Augen nach dem Elch offen halten und dabei die Hasen, Kraniche, Bachstelzen, Schmetterlinge, Hasen und Fischadler nicht übersehen (und auch nicht das schnelle rötliche Tier, das beim Nachmittagsspaziergang von mir weggeflitzt ist und das ich erst für einen kleinen Fuchs gehalten habe. Wahrscheinlich war es aber Biella, die immer schwer beschäftigte und schnelle Grundstückskatze).

Warum eigentlich Åboholm

Ich bin durch Zufall (wenn es denn Zufälle gibt) auf das Ferienanwesen Åboholm gestossen. Eigentlich hatte ich einen Teil meines Urlaubs in den schottischen Highlands in einem Writer’s Retreat verbringen wollen. Doch als ich mich endlich zu einer Buchung durchgerungen hatte, war der Juni-Retreat ausgebucht. Meine Frage, wie gross die Wahrscheinlichkeit sei, dass ich doch einen Platz bekommen könnte, wurde freundlich und unverbindlich beantwortet. Daraufhin nahm ich mich von der Warteliste, denn ich brauchte Klarheit, was meine Auszeit anbelangte.

Die Idee des Schreibretreats ging mir aber nicht mehr aus dem Kopf. Ich googelte mich mehrmals durch alle möglichen Angebote. Zehn Tagen Toskana, eine Woche Tirol, vier Tage auf einem Segelschiff in der Nordsee. Am besten gefiel mir ein Künstlerhaus in Wales, aber ihre Juni/Juli-Themen passten nicht zu dem, was ich schreiben wollte.

Irgendwann landete ich bei einem einwöchigen Schreibretreat in Schweden, angeboten von einer Schweizer Autorin. Leider hatte das Retreat letzten Herbst stattgefunden. Aber wer weiss, vielleicht bietet sie ja auch eines im Sommer an. Ich nahm also Kontakt auf mit Noëmi Sacher. Sie antwortete zeitnah, dass es im Sommer keine Retreats gäbe, da sie dann auf ihrem Anwesen andere Gäste hätten. Das war der Punkt, an dem ich verstand, dass das Anwesen in Schweden ihr gehörte und sie sich dort nicht nur einmietete für ihre Retreats.

Parallel zum Besuch der Website von Åboholm schaute ich mir andere Möglichkeiten für ein ruhiges Häuschen an. Ein Tiny House in Inverness (Schottland), eine Wohnung am Holmenkollen in Oslo, wo ein Teil meiner Bücher spielt. Häuschen an schwedischen Seen. Sie hatten alle nur ein Problem: Ich wäre allein dort. Wirklich allein. Åboholm klang nach Alleinsein und Gemeinschaft.

Also schrieb ich Noëmi ein weiteres Mail und fragte, ob ich denn teilhaben könne an ihrer Gemeinschaft, wenn ich bei ihnen ein Häuschen mieten würde. Sie schrieb zurück, dass sie das eigentlich für in zwei bis drei Jahren planten. «Aber warum nicht gleich jetzt?» Und damit hatte ich mein Åboholm-Sonderpackage erhalten.

Noëmi Sacher und Bruno Blume

Noëmi und Bruno sind nicht nur die Hosts von Åboholm. Sie sind Autor*in, Verleger*in und zudem Mitbegründer*in des Verbands Neurodiversität in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Ihre zahlreichen Angebote und Tätigkeiten haben sie auf schönen, übersichtlichen Websites festgehalten, die ich hier gern verlinke. Schau doch bei ihnen vorbei und lass dich inspirieren.

www.aboholm.se

www.brunoblume.ch

www.schreib-einfach.ch

www.kwasi-verlag.ch

www.neurodivers-dach.org

Liebes Reisetagebuch, hier sind die wunderbaren Hosts von Åboholm.

2 thoughts on “Reisetagebuch Tag 20: Åboholm”

  1. Was für eine Liebeserklärung an Åboholm, liebe Mirjam!
    Die Wochen mit dir waren wunderbar lustig, unkompliziert, inspirierend, bereichernd … unnötig zu sagen, dass du jederzeit wieder willkommen bist, mit Sonderpackage natürlich 😊.

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