Last Updated on 13. August 2026 by Mirjam Wicki
Dies ist mein Wochenblog. Intuitiv, unstrukturiert, unvollständig.
Ankommen
«Hast du dich schon wieder eingelebt?», war eine Frage, die ich häufig hörte diese Woche. Oft gefolgt von der Feststellung: «Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass du so lange weg warst.» Und auch oft gefolgt von einer Aussage, die mich jedes Mal sehr gefreut hat: «Ich vermisse dein Reisetagebuch.»
Aber der Reihe nach: Danke, ja, ich habe mich sehr schnell wieder eingelebt. Nachdem mich die Deutsche Bahn letzten Samstag irgendwann in Basel ausgespuckt hatte und ich in einen prima Anschlusszug nach Lenzburg steigen konnte, holte mich mein Mann am Bahnhof ab (Das war schön. Und emotional. Und – hach.). Zu Hause begrüsste ich Sohn und Kaninchen (das war auch schön und emotional), danach assen wir im Garten unter dem Quittenbaum, erzählten, lachten, waren zusammen. Ich war angekommen.
Die Nachbarn und Nachbarinnen, meine Eltern, die Tochter, meine Stellenpartnerin, Freundinnen. Ich hatte viele Begegnungen in dieser Woche, die mir zeigten, wie gut es mir zu Hause geht und wie gern ich hier bin. Ausflüge, Vor- und Nachbereitungen in der Schule, Aufräumen, Lesen, Einkaufen, Eingeladensein. Der Ferienalltag war sofort da.
Vermissen
Irgendwann am Samstagnachmittag stand ich in der Küche, bereitete etwas fürs Abendessen vor und – bämm: Ich vermisste meine Küche im Haus Astrid. Den Tisch mit der Aussicht auf die violetten Blumen und die alten Eichen. Den Holzboden unter den nackten Füssen. Den Geruch. Die Möglichkeit, nach draussen zu gehen, ein wenig mit Noëmi, Bruno und den Woofer*innen zu plaudern und weiterzugehen. An den See, in den Graugnomenwald, zum Biberdamm, ins Blaue (Grüne) hinaus. Ich vermisste das Alleinsein, das Frei-von-Aufgaben-Sein, dieses wundersam zeitlose Åboholm-Gefühl.
Die Tochter kam nach Hause, wir setzten uns an den Küchentisch, redeten in dieser uns eigenen Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe, und ich wollte nirgendwo anders sein als mit ihr an diesem Tisch.
Und allein im Haus Astrid. Wieder einmal geht beides gleichzeitig.
Reisen
Zum Ferienalltag gehören Ausflüge. Biertrinken und Aarebaden in Aarau, eine E-Bike-Fahrt zu einem nahen Aussichtsturn, Lädele in Konstanz, Unterwegssein mit meiner Mutter. Bei Bedarf in geordneten Schweizer Bahnen und Büssen. Sollte man meinen.
Die zehnminütige Reise nach Aarau dauerte über eine halbe Stunde länger. Fahrleitungsstörung. Was nicht so schlimm war, da meine wartende Kollegin auch ohne mich Biertrinken konnte und ich eine sehr schöne Begegnung hatte mit einer Bekannten, die mein Reisetagebuch vermisste und mir ihr Grosskind vorstellte.
Noch überraschender war die Panne beim Busfahren. Ich drückte den Knopf, der dem Busfahrer signalisieren sollte, dass wir bei der nächsten Haltestelle aussteigen wollten. Das Stopp leuchtete auf. Die Haltestelle kam näher. Meine Mutter und ich büschelten unsere Taschen. Der Bus fuhr an der Haltestelle vorbei. «Hallo?», riefen wir durch den Gelenkbus, nachdem wir uns eine Weile konsterniert angeschaut hatten. Der Busfahrer fuhr weiter. Später erklärte uns, es sei nicht sein Fehler gewesen, er hätte nämlich schon geschaut, ob er anhalten müsste. Er sähe jetzt zwar, dass wir gedrückt hätten, aber trotzdem. Er fuhr uns zum Bahnhof im Nachbarort, wo wir eine Viertelstunde mit ihm warteten und ich mir den Aufenthalt mit einer Glacé versüsste. Dann fuhren wir zurück, drückten den roten Knopf und – voilà, beim zweiten Anlauf klappte es, und wir durften an der richtigen Haltestelle aussteigen.
Also was ich nicht vermisse: Die kleinen Reiseabenteuer. Die gibt es nämlich auch bei Ausflügen zu Hause. (Während ich dies schreibe, sitze ich im Zug Richtung Wallis. Bis jetzt läuft alles nach Plan.)
Åboholmweh
War ich jetzt lange weg oder nicht? Geht es mir wie den Menschen, die meine Abwesenheit kurz fanden? Eigentlich nicht. Eigentlich habe ich schon das Gefühl, dass ich eine lange Auszeit hatte. Auf jeden Fall hatte ich genug Zeit, um richtig anzukommen, richtig zu geniessen und kleine Würzelchen zu schlagen, die bleiben und manchmal dieses Vermissungsgefühl auslösen. Åboholmweh halt.
Lieber Wochenblog, ich vermisse und geniesse.

