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Reisetagebuch Tag 8: Magische Momente

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Vitsand

Ich war mit Noemis Ebike in den nahen Nationalpark Tiveden gefahren. «Beim weissen Sand ist es schön», hatte die deutsche Wwooferin gemeint. Vitsand war einfach zu finden auf Maps und auch schon früh mit Wegweisern gekennzeichnet. Vitsand würde es also sein.

Irgendwann war ich mir dann doch unsicher, ob ich nicht vom Weg abgekommen sei, und schaute noch einmal auf Maps nach. 3 min mit dem Velo bis zum Ziel. Mit dem Ebike also höchstens 2 min. Noch war ich aber mitten im Wald. Ein paar Autos und Wohnmobile hatte ich getroffen, sonst war da nichts, was auf eine Touristenattraktion hindeutete.

Ich fuhr die zwei Minuten, passierte einem Parkplatz, bog um die Ecke – und sah immer noch nichts. Noch etwa hundert Meter, und da war er – der weisse Sandstrand mitten im Nationalpark. Von Nadelbäumen umgeben. Felsen am einen Ufer. Ein paar Menschen im Wasser und am Strand. Umkleidekabinen. Wanderwegweiser. Touristisch ja, und gleichzeitig der friedlichste Ort, den man sich vorstellen kann.

Ich schloss das Ebike ab, setzte mich an einen Tisch im Nadelwald, ass und trank etwas. Und dann ab in die Umkleidekabine, ins Bikini, in den See!

Er ist flach, der See beim weissen Sand. Ich schwamm ein bisschen, kniete aber hauptsächlich einfach im weichen Sand, genoss das einigermassen warme Wasser, das mich umspülte, die berauschende Umgebung, die Schönheit um mich herum, die Stille, die regelmässig von zwei schwedischen Mädels unterbrochen wurden, die im See herumplantschten und aus voller Kehle «My heart will go on» über das Wasser schmetterten.

Und da war er: Der Moment, in dem ich realisierte, dass ich wirklich hier bin.

Eine Woche nach meinem Aufbruch von zu Hause, der langen Fahrt auf Sitz 111, der leichten Atemlosigkeit, bis ich auch wirklich sicher auf der Fähre nach Schweden war.

Nun sass ich in diesem See und war überwältigt. Ich habe die Möglichkeit für diesen Urlaub bekommen, und ich habe sie gepackt. Habe gewünscht, recherchiert, geplant. Bin gereist und angekommen.

Abendroutine

Vorgestern ist mir aufgefallen, dass ich keine Abendroutine habe im Haus Astrid. Klar, die Abende laufen unterschiedlich ab, je nachdem ob ich nach dem Abendessen etwas mit den anderen mache, ob ich mit jemandem zu Hause telefoniere oder ob ich einfach für mich bin.

Aber immer kommt einmal der Moment, in dem ich mit mir allein im Haus bin. Zu müde zum schreiben, zu wenig müde, um schon ins Bett zu gehen. Und dann sitze ich da, oft mit dem Handy in der Hand, und weiss nicht so recht.

Aber jetzt habe ich ja meine potentielle Elch-Lichtung. Den Pfad, den ich mich auch in der Dämmerung zu gehen getraue.

Zweimal sind noch keine Routine, aber ein Abendspaziergang und dann eine Tasse Tee auf dem Sofa, während ich auf den See (und ja, auch ins Handy oder in den E-Reader) schaue und der Welt beim Nie-ganz-dunkel-werden zuschaue, das könnte eine werden.

Da war übrigens noch so ein magischer Moment, als ich in der Dämmerung spazieren war. Elche waren keine in Sicht, aber plötzlich sprangen einige Meter vor mir zwei kleine, braune, pfeilschnelle Tiere auf den Pfad. Junge Füchse? Hasen? Sonst etwas Flauschiges?

Ich blieb stehen. Da waren sie wieder! Zwei Hasen, die sich ein  Wettrennen oder sonst ein Battle lieferten. Ganz in meiner Nähe, in der schwedischen Abenddämmerung.

Die Pfannkuchentorte

Die deutsche Wwooferin hatte Lust, eine Pfannkuchentorte wie in Pettersson und Findus zu machen. Zu unser aller Glück hatte sie nicht nur Lust darauf, sondern machte sie tatsächlich.

Auch  ein magischer Moment, in die Gemeinschaftsküche zu kommen, und dann steht da einfach diese Torte aus Pfannkuchen, garniert mit Erdbeeren. Sie stand übrigens nicht lange so da.

Liebes Reisetagebuch, wie schön, dass ich hier sein darf!

Reisetagebuch Tag 7: Unterwegs

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Einkaufen in Askersund

Die amerikanische Wwooferin wollte weiterziehen und brauchte eine Mitfahrgelegenheit bis zur Bushaltestelle in Askersund. Noemi würde dies mit dem Einkauf für die Gemeinschaft verbinden. Ich fragte, ob ich sie begleiten dürfe. Einige meiner Vorräte drohten nämlich bereits auszugehen, und ich hatte ein paar Dinge gefunden, die mir in meiner WG mit Astrid noch fehlten (z.B. Zeckenspray).

«Winkel!», rief Bruno, als wir mit dem Auto an ihm vorbeifuhren. Noemi hielt an, und wir schauten ihn fragend an. «Hat er euch nicht gezeigt, welche Winkel ihr aus dem Baumarkt mitbringen müsst?» Er war der deutsche Wwoofer, der uns gerade fröhlich zugewunken, aber nichts von Winkeln gesagt hatte. «Ich habe ihn eben daran erinnert», wunderte sich Bruno und rief seinen Namen. «Sorry!», tönte es zurück, und er kam angerannt, in der Hand einen Winkel, von dem er noch vierzig weitere brauchte, um das Gewächshaus zu stabilisieren. «Ich hab’s vergessen.» – «Mit dir ist es wie mit Michel aus Lönneberga», meinte Noemi lachend. «Man hat immer einen Grund, deinen Namen zu rufen.» Was wir daraufhin natürlich alle machten und er zum Glück mit Humor nahm (wovon wir ausgegangen waren, denn Humor zeichnet diesen jungen Mann sowas von aus).

Danach fuhren wir die gut zwanzig Autominuten bis Askersund, wo wir uns von der jungen Frau aus den USA verabschiedeten. Sie fährt erst nach Stockholm und dann für weitere Wwoofing-Aufenthalte nach Dänemark. Im August fliegt sie schliesslich zurück zu ihrem Studium in die Vereinigten Staaten. Ich war überrascht, wie leicht es allen fiel, goodbye zu sagen. Es ist wohl einfach ein selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft in Åboholm, dass Leute kommen und gehen.

Noemi und ich kauften Lebensmittel in Coop und ICA, gingen in die Apotheke für meinen Insektenspray und anschliessend zu Bergqvist, dem Baumarkt. Wir fanden die richtigen Winkel, allerdings hatte es nur noch 31. Während Noemi etwas anderes holte, fand ich eine weitere Schachtel mit den richtigen Winkeln. Diese war noch zu, verschlossen mit diesen Plastikbändern, die man so schlecht wegkriegt. Ich versuchte es trotzdem, kriegte sie auf und nahm 9 weitere Winkel raus.

«Dich kann man schon nicht allein lassen!» Noemi stand lachend neben mir. – «Denkst du, das war nicht okay?», fragte ich. – «Sicher nicht so gedacht. Aber effizient! Finde ich gut.» (Ich bin nicht sicher, wie schlimm der Regelbruch aus schwedischer Sicht war. Ich glaube, ich hätte die Schachtel auch in einem Schweizer Baumarkt geöffnet, ohne das Gefühl, etwas Grenzüberschreitendes zu tun.)

Statt mit in den Baumarkt zu fahren, hätte ich natürlich auch eine Weile in Askersund bleiben können. Dem hübschen Flussufer entlang promenieren, eine Glacé kaufen und andere Touristinnendinge tun. Aber dazu hatte ich gar keine Lust. Ich war total fein damit, im Baumarkt Winkel zu kaufen und mich dann zurück nach Åboholm fahren zu lassen.

Spaziergänge

Nach dem Mittagessen probierte ich den Insektenspray aus und machte einen meiner Streifzüge durch den Wald rund um Åboholm. Bis jetzt folge ich dabei immer den gekiesten Forstwegen, auch wenn die manchmal abrupt enden oder auf ein Grundstück führen, von dem ich nicht weiss, ob ich jetzt da noch durchgehen soll/darf oder nicht.

Nun habe ich mir aber von Bruno erklären lassen, dass die wirklich schönen Wege die Trampelpfade sind, und jetzt, wo ich dank meinem Spray besser vor Zecken geschützt bin, werde ich auch diese ausprobieren.

Am Abend folgte ich einem Reitpfad (der eher in die Kategorie Trampelpfad als Waldstrasse gehört) zu einer Lichtung, auf der Gäste von Åboholm schon Elche gesehen haben. Ich war zu früh dran für Elche (ich wollte den Weg zum ersten Mal erkunden, wenn es noch nicht dämmerig ist. Ich fürchte mich zwar nicht, wenn ich allein unterwegs bin, aber in der Dämmerung kann sich meine Fantasie manchmal schon lustige oder eben gruslige Dinge ausdenken).

Also keine Elche (ich bleibe dran), dafür war eine anderes Spezies zahlreich unterwegs: die Mücken.

Leider hatte ich vergessen, meinen brandneuen Insektenspray vor dem Abendspaziergang noch einmal anzusprühen, und so habe ich nun einige ziemlich lästige Mückenstiche auf den Armen, hinter den Ohren (!) und an den Händen. Mein Ziel ist es, möglichst wenige von ihnen aufzukratzen (keine geht leider schon nicht mehr).

Das Kapitel

Der heutige Schreiberfolg: Ich habe aus einem Kapitel rausgefunden! Keine Ahnung, wie lange ich mich mit dem schon herumschlage. Weder wusste ich, wo im Manuskript es hingehört, noch wohin es führen soll, noch verhielt sich die Protagonistin so, wie es zu ihr passte. Bereits im Zug nach Hamburg fand ich eine Stelle, die ich unbedingt umschreiben musste, und schliesslich fand ich noch heraus, dass es einen anderen Einstieg braucht . Nun habe ich es geschafft: Das Kapitel ergibt Sinn, bietet einen Mehrwert, hat mir Einiges über die Charaktere verraten, und das Beste ist: Ich weiss auch schon, wie es von hier aus weitergeht!

Liebes Reisetagebuch, beim Schreiben ist es wie beim Spazieren: Manchmal ist es besser, die festgetretenen Pfade zu verlassen.

Reisetagebuch Tag 6: Farben

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Blauer Himmel

Der eigentliche Mittsommertag am 21. Juni war strahlend schön in Åboholm. Chnütschblaue Hemu, vom frühen Morgen an. Im Gegensatz zur Hitzewelle, unter der die Menschen zu Hause in der Schweiz leiden, sind die Temperaturen hier angenehm. Und weil es meistens auch Wind hat, kann es sogar vorkommen, dass ich einen Pulli überziehe, wenn ich mich zum Schreiben nach draussen setze.

«Du hast ja einen schönen Garten», meinte der deutsche Wwoofer. – «Garten?» – «Ja, also … Dein Tisch und deine Stühle.» Der Tisch war schon da gewesen bei meiner Ankunft. Die Stühle hatte ich aus dem Fundus in einem der Schuppen auswählen dürfen. Ich wählte einen einfachen, metallenen Gartenstuhl, um am Tisch zu sitzen, und einen (laut Noemi) «hässlichen, aber bequemen» Liegestuhl. Und ja, es stimmt: Der Tisch und die beiden Stühle lassen das gemähte Stück Land, das zwischen Haus Astrid und der angrenzenden Naturwiese liegt, gleich wohnlich aussehen. Das wäre also mein vierter Schreibtisch: Der Gartentisch, den ich je nach Sonnenstand an eine andere Ecke von Astrid stelle, aber immer so, dass mein Blick beim Schreiben (oder Lesen oder einfach Sein) auf den See hinunter geht.

Rote Farbe

Neben dem Badesteg ist das Gewächshaus ein Projekt, an dem auf Åboholm zurzeit gearbeitet wird. Beim Mittagessen wurde darüber diskutiert, dass man am nächsten Tag die Fenster einsetzen könnte, wenn es am Nachmittag noch fertig gestrichen würde. Nur war nicht klar, ob jemand Zeit dafür hätte.

«Ich helfe gern beim Streichen», meinte ich. Schliesslich habe ich zu Hause schon einen Kaninchenstall und ein Gartenhaus schwedenrot gestrichen. – «Hast du Kleider dabei, die rot werden dürfen?», fragte Bruno. – «Weisst du, dass du auf den Balken oben sitzen musst zum Streichen?», fragte Noemi.

Also Kleider, die rot werden durften, liessen sich definieren. Und auf den Balken sitzen schien mir kein Problem zu sein, solange ich eine Leiter hatte, um auf die Balken raufzukommen.

Und so kam es, dass ich nach der Siesta zusammen mit Bruno das Gewächshaus fertig anstrich. Tatsächlich musste ich mich etwas an den Arbeitsplatz in der Höhe gewönnen, und die Windstösse, die manchmal die Farbe vom Pinsel irgendwohin wehten (z.B. in mein Gesicht) machten die Sache nicht einfacher. Aber es war eine schöne Arbeit mit interessanten Gesprächen.

Wir fanden z.B. heraus, dass ich eine Szene erlebt hatte, die Bruno in ein Buch geschrieben hatte: Lehrerin kriegt während der grossen Pause einen Ball an den Kopf. Während es in Brunos Buch nur darum gegangen war, dass die Lehrerin grosszügig reagierte und der Protagonist keine Schwierigkeiten bekam, hatte mein Ballkontakt zu einer kaputten Sonnenbrille und einer Platzwunde an der Augenbraue geführt. Bruno bereut es nun fast ein wenig, dass er nicht mehr aus der Szene gemacht hat.

Der helle Abend

Ich habe den Badeplatz gefunden! Also, Noemi und Bruno haben ihn mir gezeigt. Mein Ringelnatter-Steinsträndchen ist nämlich gar nicht der Platz, von dem sie mir am ersten Abend erzählt haben. Dieser liegt ein paar Meter weiter dem Ufer entlang, und dort wird jetzt auch der Steg gebaut. Der ist noch nicht ganz fertig, aber man kann ihn bereits benutzen, um ganz ohne Schlamm, Steine und Seerosen ins Wasser zu gelangen. Es war ein wunderbarer Abendschwumm im See und ganz bestimmt nicht der letzte, den ich hier in Åboholmgenossen habe.

Nach dem Baden wurde der Abschied von der amerikanischen Wwooferin gefeiert. Sie hatte zum Tanzen zu Videoanweisungen geladen, aber ich hatte nach all den Eindrücken der letzten Tage mehr Lust auf einen ruhigen Abend allein. Ich verzichtete also auf das «Karaoke-Tanzen», was wahrscheinlich etwas schade ist. Es sei nämlich «very american» gewesen, habe ich mir sagen lassen, und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie viel Spass die Åboholm-Truppe dabei hatte.

Liebes Reisetagebuch, so richtig viel geschrieben habe ich heute nicht. Aber zum Glück macht das nichts.

Reisetagebuch Tag 5: Ein Raum zum Schreiben

Erste Routinen

Haus Astrid hat zwei Stockwerke. Unten kommt man von der Veranda in den Eingangsbereich, von dem die Treppe nach oben führt. Geradeaus ist eine grosszügige Küche mit einem Tisch am Fenster und allem, was eine Küche so braucht. Daneben liegt die Stube, auch grosszügig bemessen (vor allem, wenn man nur eine Person ist), mit Bettsofa, Schreibtisch, Büchergestell, einem Holzofen und zwei Fenstern. Eines geht auf den See, eines zum Schuppen mit dem Glockenturm. Alles sehr schwedisch.

Wenn man die Treppe hochgeht, kommt man in einen Vorraum, von dem zwei Türen abgehen. Die erste führt ins Bad mit Dusche und WC. Noemi und Bruno haben mir Bilder gezeigt, wie diese Dusche vor dem Umbau ausgesehen hat. Ähm, ja, ich finde es super, dass sie sie neu gemacht haben und geniesse ihre Grosszügigkeit sehr. Die zweite Tür führt ins grosse Schlafzimmer. Da stehen ein Doppelbett, ein Schrank, ein Schreibtisch und der Lesesessel, den ich vom Vorraum hierhin getragen haben. Weiter hinten hat es ein kleines Zimmer mit einem Einzelbett, und noch weiter hinten führt eine Tür nach Narnia (respektive in einen kleinen leeren Raum, aus dem bei Gelegenheit eine Sauna werden soll).

Ich schlafe im grossen Schlafzimmer, an den ersten beiden Morgen etwa bis acht Uhr, seit ich später ins Bett gehe, eher bis 9 Uhr. Nach dem Aufwachen gehe ich nach unten und mache Frühstück. Porridge mit Früchten, Kaffee aus der French Press (zu meinem Erstaunen schaffte ich bereits beim zweiten Versuch richtig guten Kaffee) und Orangensaft. Ich esse am Küchentisch mit Blick auf die uralten Eichen und das rosarote Haus Selma oder am Gartentisch mit Blick auf den See.

Abwaschen, Whatsapp beantworten oder sonst chli am Handy sein, Morgenseiten schreiben. Tee kochen. Im Manuskript schreiben. Dabei lasse ich mich gern von Biella, der Grundstück-Katze, ablenken oder auch von den Wwoofern oder Noemi und Bruno, wenn sie auf dem Weg zu ihren vielen Arbeiten an Haus Astrid vorbeilaufen. Offenbar kann ich aber auch ganz ins Manuskript vertieft sein, jedenfalls erzählen die anderen manchmal, dass sie bei mir vorbeigegangen sind, ohne dass ich reagiert hätte.

Gegen 13 Uhr läutet die Glocke/kommt Noemis Whatsapp-Nachricht oder gehe ich aus eigenem Antrieb in die Gemeinschaftsküche, wo eine der Wwooferinnen gekocht hat. Immer vegetarisch, manchmal vegan, Kategorie «einfach, nahrhaft, lecker, gesund». Gespräche, gemeinsames Kaffeetrinken, ein wenig Tagesplanung. Normalerweise ist der nächste Treffpunkt um Viertel vor sieben, fürs Abendessen.

Gestern dann die Einladung: «Wir treffen uns um 19 Uhr am Feuer und feiern unser eigenes Midsommar-Fest.»

Während alle ihrer Wege gingen, machte ich Siesta, ging spazieren (was für ein wunderschöner Wald das ist rund um Åboholm !), bloggte und fand den Weg ins Manuskript gerade nicht mehr. Also setzte ich mich an den Gartentisch und las.

Ein Raum zum Schreiben

Für den Artikel auf einem anderen Blog suchte ich kurz vor meiner Abreise nach Schweden online nach dem Buch «Raum zum Schreiben», das tolle Schreibübungen enthält. Ich fand allerdings zuerst ein anderes Buch mit fast demselben Titel: «Ein Raum zum Schreiben» der norwegischen Autorin Kristin Valla.

Sie erzählt darin, wie sie im Trubel des Familienlebens aufhörte, Bücher zu schreiben, und sich deshalb ein Haus in Frankreich kaufte, in der Hoffnung, so wieder ins Schreiben zu kommen. Eingebettet in ihre Geschichte erzählt sie von Autorinnen wie Patricia Highsmith, Selma Lagerlöf, Chimamanda Ngozi Adichie oder Virginia Woolf (die schon wusste, dass eine Frau «a room of one’s own» braucht), die Häuser gekauft und renoviert haben, entweder um einen ruhigen Ort zum Schreiben oder einen Ausgleich zu ihrem Autorinnenleben zu haben.

Mir schien das Thema sehr passend für meine Schreibauszeit, und ich lud mir «Ein Raum zum Schreiben» vor meiner Abreise auf den E-Reader.

Es ist unglaublich schön, in oder vor Haus Astrid zu sitzen, in Kristin Vallas Buch zu lesen und verbunden zu sein mit all den Frauen, denen Häuser wichtig wurden für ihr Schreiben.

Dabei – und im Gespräch mit Bruno gestern Abend am Midsommar-Feuer – merke ich, dass ich die Einfachheit der Abläufe und die Ruhe, die mir das Haus in Åboholm  bieten, enorm schätze. Nicht nur für mein Schreiben, sondern weil es einfach guttut, hier zu sein. Aber auch für mein Schreiben. Die Gelegenheit, mehrmals am Tag und an mehreren Tagen hintereinander ins Manuskript eintauchen zu können, hat die Magie bewirkt, die immer irgendwann kommt, aber man weiss nie, wann: Ich bin bei meinen Charakteren angekommen. Ich spüre sie, das Schreiben wird fliessender, weniger tastend, einfacher. Ich bin unglaublich gespannt, was entstehen wird, wenn ich dieses Eintauchen an so vielen Tagen hintereinander machen kann wie noch nie bisher.

Ein Raum für Gemeinschaft

Das Gespräch mit Bruno am Lagerfeuer und die paar Tage in Åboholm  zeigen mir aber auch: Ich bin wirklich froh, habe ich mir für meine Auszeit einen Ort gesucht, an dem Gemeinschaft möglich ist. Klar wäre es auch eine Erfahrung, ganz abgeschieden zu schreiben. Ganz auf mich selbst zurückgeworfen zu werden. Wer weiss, was daraus entstehen würde?

Aber so fühlt es sich easy an. Ich bin ganz offiziell diejenige, die zum Schreiben hier ist, während die anderen zum Arbeiten hier sind. Ich kann mich jederzeit zurückziehen, es gibt nichts anderes zu tun für mich, wenn ich das nicht will. Ich darf aber jederzeit Teil der Gemeinschaft sein, beim Essen, beim Blumensammeln für die Midsommar-Kränze, beim Auftischen und Wegräumen, auch bei anderen Arbeiten, wenn ich das möchte.

Und natürlich beim Midsommar-Abend am Feuer: Mit Salat und Schlangenbrot. Schlangenbrot mit Zimtbutter (DAS werde ich mit in die Schweiz nehmen). Einem kleinen Flötenkonzert des deutschen Wwoofers (er kann nicht wirklich Flöte spielen, hat aber die Hobbit-Melodie gelernt und uns gestern alle ins Auenland entführt damit). Gemeinsamem Singen mit Gitarrenbegleitung. Dem Geniessen des lauen, hellen Sommerabends.

Das ist Inspiration, das ist Nahrung für die Seele, das ist, was mir guttut.

Offene Fragen und Antworten

Ich habe noch keinen perfekten Badeplatz gefunden. Meine Hoffnungen ruhen zurzeit auf Bruno und dem polnischen Wwoofer, die einen Badesteg bauen. Der Bau ist allerdings bisher von vielen Rückschlägen geprägt, von daher weiss ich nicht, wann ich diese Frage beantworten kann.

Und meine feministische Einstellung aus den Fun Facts? Die liegt bei 100%, genau wie diejenige der jungen Amerikanerin. Wir waren uns einig, dass trotz der blinden Flecken, die einige andere Åboholmer davon abhielten, sich grössere Prozentzahlen zuzugestehen, die Einstellung zählt. Und da machen wir es nicht unter 100.

Liebe Lesende

Schön, dass ihr hier seid! Es erreichen mich immer wieder Rückmeldungen, die mir zeigen, dass mein Fun-Projekt Reisetagebuch sein Publikum gefunden hat. Darüber freue ich mich sehr.

Liebes Reisetagebuch, wir lesen uns morgen wieder im schönen Åboholm.

Reisetagebuch Tag 4: Midsommar

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Wie ich mir Midsommar vorgestellt habe

Blumenkränze, eine geschmückte  Midsommar-Stange, Musik, Tänze, Essen, Getränke, Alkohol, eine Party, die am Abend startet und bis weit in die Nacht hinein reicht. So hatte ich mir Midsommar in Schweden vorgestellt.

Ich war daher etwas irritiert, als Noemi meinte, wir würden schon um 12 Uhr essen, damit es für Midsommar reichen würde. Okay, es war eine grosse Party. Aber einen ganzen Nachmittag lang Vorbereitung? Krass!

Bis ich erfuhr, dass das Midsommar-Fest auf dem nahen Sportplatz Åboholm  um halb zwei starten und um vier Uhr enden würde. «Um vier Uhr???» Noemi lachte. «Ja, letztes Jahr haben alle um fünf vor vier angefangen zusammenzupacken.» – «Und wo gehen die denn nachher noch hin?» Sie zuckte die Schultern. «Nach Hause. Vielleicht mit der Familie feiern.» – «Wir gehen also von halb zwei bis vier Uhr Midsommar feiern?», fragte ich zur Sicherheit nach.

Ja, so würde es sein. Nichts mit Party in die laue, helle Sommernacht hinein. Ein Nachmittagsevent auf dem Sportplatz. Auch gut. I guess.

Die jungen Wwoofer würden nicht mitkommen. Sie wollten auf einen Midsommar-Event bei einem nahen Schloss. Das klang schon eher nach Abend, Party und Alkohol. Aber ich würde mit Bruno und Noemi zum Sportplatz gehen. Midsommar Åboholm -Style.

Wie Midsommar wirklich war

Also Blumenkränze gab es. Noemi, die Gästin aus dem Haus Pija und ich machten sie mit selbstgesammelten Blumen aus dem Garten. Es machte grossen Spass, die Kränze zu winden, aber wir mussten uns beeilen, da es schon nach dreizehn Uhr war.

Die Kränze wurden hübsch, wir gingen noch duschen und dann gegen vierzehn Uhr los für die Party. Das Gästeehepaar wollte später nachkommen, Noemi, Bruno und ich gingen die zehn Minuten zum Sportplatz zu Fuss. (Åboholm  liegt wirklich abgelegen. Wirklich, wirklich. Bis zum nächsten Ort fährt man etwa zwanzig Minuten mit dem Auto. Aber in der Nähe liegt der Sportplatz mit einer Art Gemeindezentrum. Dort sei meistens nichts los, aber ab und zu fänden Anlässe statt, und an Midsommar seien plötzlich 300 Leute da, erzählten mir Noemi und Bruno.)

Wir näherten uns dem Sportplatz, hörten Musik, und als wir näher kamen, sahen wir Menschen um die Midsommer-Stange tanzten. Doch kaum hatten wir den Platz erreicht, löste sich der Kreis der Tänzerinnen und Tänzer auf und die Musik verstummte. Wir hatten zu lange gebraucht für unsere Kränze, nun hatten wir den Tanz verpasst. Es war ja auch schon nach vierzehn Uhr.

Was wir nicht verpassten, war die Fika, Kaffee und Kuchen. Es gab Teller mit drei verschiedenen Stücken, und ich lernte, dass das ein Konzept hat: Auf jedem Teller ist eine Hefeschnecke, ein Stück Kuchen und ein Biscuit. Wir setzen uns vor das rote Haus, assen die Süssigkeiten, tranken Filterkaffee und schauten den wirklich etwa 300 Menschen (viele mit Kränzchen in den Haaren) zu, wie sie picknickten, Spiele machten (Stelzen laufen, Hulahoop, auf eine Matte springen, Tischfussball) und es gemütlich hatten.

Schliesslich gesellte sich ein mit Noemi und Bruno befreundetes Ehepaar zu uns, und wir konnten zwei Fragen loswerden:

«Woher kommen all die Menschen? Warum feiern die nicht in den grösseren Orten?» – «Oh», meinten die Einheimischen. «Es gibt keine anderen Feiern in der Nähe. Das sind einfach die Menschen, die rund um Askersund wohnen.» – «Und die Feier beim Schloss?» – «Beim Schloss? Da gibt es keine Feier.» Ach.

«Und was macht ihr nachher? Nach vier Uhr?» – «Wir gehen nach Hause.» – «Und dann?» – «Essen. Die einen ganz normal, andere festlich. Etwa so wie an Weihnachten.»

Okay. Klang gemütlich. Aber nicht wirklich midsommarig für mich.

Trotzdem genoss ich das Fest in vollen Zügen. Lief seit Ewigkeiten wieder einmal auf Stelzen, freute mich an der schönen Stimmung und den Gesprächen mit Noemi, Bruno und dem schwedischen Ehepaar, und beschloss einmal mehr, dass ich das Konzept der Fika etwas vom besten finde, das Schweden zu bieten hat (und Schweden hat viel Gutes zu bieten).

Es wurde fünf vor vier, die Blumenkränzchen wurden welk, und alle Menschen packten zusammen.

Midsommar-Ende

Das kann nicht alles gewesen sein

Und die Wwoofer? Die fanden tatsächlich keine Party beim Schloss. Also fuhren sie weiter, bis sie ein Festgelände vorfanden. Dort liess man sie gratis rein, obwohl es eigentlich Eintritt gekostet hätte. Aber sie kamen erst um halb vier. Und um vier Uhr war auch diese Party zu Ende.

«I don’t get it!», rief der junge Mann aus Polen, als er blumenbekränzt in die Gemeinschaftsküche kam. «They have a whole bright night to celebrate and they stop at 4 p.m.»

No one here get’s it.

Deshalb werden wir am Samstag unsere eigene Midsommar-Feier machen. Am Abend. Mit Feuer und Schlangenbrot und vielleicht bis tief in die Nacht hinein.

Liebes Reisetagebuch, Schweden steckt voller gemütlicher Überraschungen.

Reisetagebuch Tag 3: Ankommen in der Gemeinschaft von Åboholm

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Fun Facts

Heisst das Spiel, dass in Åboholm gespielt wird, wenn ein neuer Wwoofer ankommt (WWOOF = World Wide Opportunity on Organic Farms; eine Organisation, die Freiwillige vermittelt, die für Kost und Logis auf einem ökologisch bearbeiteten Betrieb mithelfen wollen). Als ich ankam, arbeiteten hier drei Wwoofer, zwei aus Deutschland und eine junge Frau aus den USA. Gestern kam ein weiterer Freiwilliger an, aus Polen (resp. aus Norwegen, wohin er geflogen war, um anschliessend mit dem Bike nach Schweden zu radeln).

Nach dem Abendessen traf man sich also für Fun Facts, ein Spiel, bei dem einen Fragen gestellt werden, die man immer mit einer Zahl beantworten muss. Dann muss die Gruppe die Antworten ordnen, natürlich ohne sie zu sehen. Je richtiger die Ordnung ist, desto mehr Punkte gibt es.

Das ist unterhaltsam, aber noch spannender sind die Gespräche, die sich daraus ergeben. Wie feministisch bin ich eingestellt? Was bedeutet es, feministisch eingestellt zu sein? Kann ein Mann überhaupt auf mehr als 90% kommen? Ganz anderes Thema, das auch interessante Gespräche ergab: Wie lange machst du dein liebstes Hobby schon? Die Antworten reichten von 1 Jahr 3 Monate bis zu 49 Jahre.

Die meisten Punkte (nämlich alle) bekamen wir bei der Frage: Wie entzückt reagierst du, wenn du ein Babykätzchen siehst? Hier sprengte die eine Wwooferin die Skala und schmiss eine 125 in die Runde, während wir anderen mehr oder weniger enthusiastisch auf kleine Katzen reagieren, bis runter zu 18. Die Frage, die für die meisten am schwierigsten zu beantworten war, lautete: Als wie verführerisch stufst du dich ein (von 0 bis 100). Aber wir meisterten auch diese Runde, mit viel Lachen und ein paar ernsten Momenten während der Diskussion nach der Auflösung.

Als ich meine Auszeit geplant hatte, hatte ich mir die Abende am schwierigsten vorgestellt. Tagsüber könne ich mich beschäftigen, hatte ich gedacht, aber abends? Da könnten das Heimweh, die Langweile oder die Einsamkeit kicken. Deshalb habe ich mir einen Platz gesucht, an dem ich Teil einer Gemeinschaft sein kann, wenn ich das möchte. Aber man weiss ja nie, wie es wird. Ob die Gemeinschaft passt. Ob man sich wohl fühlt. Ob allein sein nicht doch besser ist.

Fun Fact: Ich fühle mich sehr wohl in der aktuellen Gemeinschaft von Åboholm (und bin froh, dass ich mich nicht auf eine Zahl zwischen 0 und 100 festlegen muss, wie wohl ich mich fühle).

Der Badeplatz

Åboholm hat zwei Seen und einen Stausee. Ich bin Ganzjahres-Baderin. It’s a match!

Aber so einfach ist es nicht, denn die Uferumgebung ist voller Seerosen und das Ufer ist an vielen Stellen zugewuchert.

«Unter an Haus Astrid ist ein kleiner Steinstrand, dort kannst du gut rein», meinte Bruno bei meiner Ankunft. Ich ging den Strand auch gleich besichtigen, und das Erste, was ich sah, war eine kleine Ringelnatter, die vorbeischwamm. Sie war wirklich klein und wirkte auch gar nicht gefährlich, aber Schlangen und ich sind so ein Ding (ich war nie schneller aus der Aare raus als damals, als uns eine Ringelnatter entgegenschwamm).

«Kann man auch beim Steg baden gehen?», fragte ich beim Mittagessen.

«Wenn du nur schnell baden willst, schon. Aber es ist halt nicht so schön», antwortete Noemi. «Und rausschwimmen geht nicht, die Seerosen sind zu dicht», meinte Bruno. Er wolle schon lange eine Schwimmrinne machen, hätte aber immer anderes zu tun.

Nicht ganz überzeugt von diesen Möglichkeiten, beschloss ich nach dem Mittagessen dennoch, baden zu gehen. Und zwar beim Steinstrand, Ringelnätterchen hin oder her. Ich hängte meine Kleider und die Badetasche an einen Baum und ging vorsichtig ins Wasser. Der Boden war weich, das Wasser sehr seicht. Ich legte mich hin. Es war warm und schön und ein wenig langweilig so ganz allein. Ich war also ganz happy, als die junge Amerikanerin vorbeikam und sich ein wenig mit mir unterhielt. Danach  versuchte ich zu schwimmen, verhedderte mich in den Seerosen und beschloss, dass das hier ein Liege- und kein Schwimmplatz war. Ein schönes erstes Bad in einem schwedischen See, aber noch nicht das perfekte Plätzchen für mich.

Weitere Badeplätze werden im Lauf der nächsten drei Wochen getestet.

Die Glocke

Åboholm hat einen Glockenturm, gleich beim Schuppen neben Haus Astrid. Der nützt leider nichts, wenn man von Noemis und Brunos Haus zum Essen läuten will, weil er zu weit weg ist.

Also haben sie eine eigene Glocke installiert vor ihrer Haustür. Mit dieser wird geläutet, wenn es Mittag- und Abendessen gibt.

Nur leider hören Astrid und ich diese Glocke nicht, wenn ich nicht genau das richtige Fenster geöffnet habe und genau zur richtigen Zeit am Küchentisch sitze. So herzig das mit der Glocke ist – wir haben jetzt entschieden, dass Noemi mich per WhatsApp zum Essen ruft.

Und das Schreiben?

Das läuft auch. Während ich mit grossem Spass mein Reisetagebuch schreibe und ganz vorsichtig in mein aktuelles Manuskript hineinfinde (und sich irgendwo in meinem Unterbewusstsein zwei weitere Projektideen anfangen zu vermischen), erreichten mich gleich zwei wundervolle Autorinnen-Nachrichten.

Zur einen darf ich noch nichts sagen (aber bald), die andere soll gesehen und gehört werden: Mein Bunnybuch macht sich auf den Weg in die weite Welt!

Es heisst auch gar nicht mehr Bunnybuch, sondern «Hera voll viral» und ist ein Jugendroman in einfacher Sprache, der beim Da Bux Verlag erscheint. Kurz, knackig, lebendig, wie alle Bücher aus diesem Verlag, erzählt er die Geschichte von Hera, dem verschwundenen Kaninchen. Und diejenige von Doro, die ihrer Freundin Amina beim Suchen des Kaninchens hilft. Und dann passieren Dinge.

Das Cover, den Klappentext und die Möglichkeit zum Vorbestellen von «Hera voll viral» findest du hier:

Hera voll viral – da bux

Fragen

Hier noch die Antwort auf die Schraubenfrage: Holzschrauben gibt es seit ca. 100 v. Chr. Ich hatte 200 Jahre geschätzt und lag damit nur knapp 2000 Jahre daneben.

Heute habe ich wieder eine Frage: Als wie hoch habe ich wohl meine feministische Einstellung bei Fun Facts angegeben (zwischen 0 und 100)?

Liebes Reisetagebuch, Åboholm ist ein Traum.

Liebes Reisetagebuch: Von Malmö Fährhafen nach Åboholm 

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Fähre erreicht, alles gut. Oder nicht?

Normalerweise bin ich mit dem Campingbüsli unterwegs, wenn ich auf einer Fähre bin. Bevor diese am Zielhafen anlegt, versammelt man sich bei der Treppe, die in den Garagenteil führt, in dem man sein Fahrzeug weiss, und wenn das Signal ertönt, geht man nach unten. Setzt sich ins Fahrzeug, programmiert das Navi und lässt sich von Menschen in Leuchtwesten aus dem Schiff und durch das Gewusel des Fährhafens lotsen. And off you drive.

Als Fusspassagierin war ich am Abend mit dem Shuttlebus in den Schiffsbauch gebracht worden. Wie also sollte ich am Morgen wieder rauskommen?

Der Rezeptionist der Fähre streckte mir auf meine Frage hin eine Liste entgegen. «Are you one of these people?» Das war ich, er strich meinen Namen durch und erklärte, wenn alle elf Personen hier wären, würde er uns zum Shuttlebus leiten.

Personen kamen und gingen, die meisten wohl zu ihren Autos und Lastwagen. Mein Highlight war der Mann, der zur Rezeption kam und rief: «I can’t find my truck!» Also ich bin ja auch gut im Sachen verlieren/verlegen, aber einen ganzen Lastwagen finde ich schon next level beeindruckend.

Mit der Zeit wurde immer klarer, wer zu den Fusspassagier*innen gehörte: Das nette Ehepaar von gestern, dem ich mich für den Check-In angeschlossen hatte. Die Schwedin mit den Hunden. Die dreiköpfige Familie, die mit mir im Shuttlebus gewesen war. Eine deutsche Frau mit Wanderstöcken. Ein jüngerer Mann und eine ältere Frau, die irgendwie zusammengehörten. Und ich. (gut, dass sind jetzt nur 10, aber mehr wurden wir nicht mehr)

Irgendwann wurden wir grüppchenweise zum Lift geleitet, und dort unten stand unser Shuttlebus, inkl. Menschen mit Leuchtwesten. Sie fuhren uns aus der Fähre und durch das Gewusel des Fährhafens und spuckten uns irgendwo am Rand aus. Das war der Moment, in dem ich realisierte, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich nun zur Centralstation von Malmö kam.

Und das war kein Problem, denn der Mann vom netten Ehepaar und die Wanderstöcke-Frau hatten beide eine App. Der Familienvater sprach zudem Schwedisch und informierte sich beim Shuttlebusfahrer. Leider gingen danach alle in unterschiedliche Richtungen, aber ich folgte dem Mann von gestern und seiner Frau, weil ich damit gute Erfahrungen gemacht hatte. Am Ende trafen sich doch wieder alle bei der gleichen Bushaltestelle (ausser die Schwedin und die Hunde, die waren nämlich abgeholt worden).

Beim Umsteigen irgendwo in Malmös Vororten (Apps und Busfahrer sagten wundersamerweise das Gleiche), verloren wir erst die Familie (keine Ahnung, wann genau und wohin sie gingen), dann das Jünger/älter-Paar (sie wollten von hier zu Fuss zum Bahnhof gelangen). Vor dem Bahnhof verabschiedete sich auch die junge Frau mit den Wanderstöcken (was noch gut war, sie hatte nämlich definitiv mehr Redebedarf gehabt, als mir am Morgen guttut).

Es fiel mir ein bisschen schwer, mich vom hilfsbereiten Ehepaar zu verabschieden, aber sie wollten mit dem Bus weiter nach Göteborg, ich aber mit dem Zug (die Frau hätte Zug auch besser gefunden, aber offenbar hatte die App vom Mann Bus gesagt, und so fuhren sie halt Bus).

Von da an verlief die ganze Reise über Göteborg bis Hallsberg reibungslos, und ich musste gar keine Mitreisenden anquatschen und ihnen Fragen stellen.

Der Mann auf dem Perron

Ausser ihn. Den Mann auf dem Perron habe ich angequatscht, und ich glaube, er fand mich sehr creepy. Ich kann das auch verstehen, denn ich habe dies nicht nur überraschend von hinten getan, sondern auch noch auf Schweizerdeutsch. Mitten in der schwedischen Pampa, auf einem Bahnhof, von dem er zwei junge blonde Frauen abholen wollte und nicht eine komisch aufdringliche, mittelalte Fremde.

Es war eben so: Bei der Reiseplanung hatte ich nicht nur vergessen, mir eine schwedische ÖV-App runterzuladen oder mich um den Weg von Malmö Fährhafen nach Malmö Centralstation zu kümmern, sondern ich hatte zwar abgemacht, dass ich in Hallsberg abgeholt würde, aber nicht von wem und wo genau.

Selbstsicher stieg ich aus dem Zug und ging  das Perron entlang, um zum Bahnhofsgebäude zu gelangen, da fiel mir ein, dass ich – wenn ich jemanden vom Zug abholen würde, den ich nicht kenne – auf dem Perron warten würde. In dem Moment kam mir ein älterer Herr entgegen, der sehr suchend dreinschaute.

Das passte prima, fand ich: Zwei, die suchen und sich nun schon fast gefunden hatten. Er ging ohne mich zu beachten an mir vorbei (wie auch, er kannte mich ja nicht, obwohl er mich abholen kam). Also drehte ich um, überholte ihn so halb und sagte irgendetwas Seltsames auf Schweizerdeutsch im Sinn von, dass wir wohl zusammengehörten. Creepy, sag ich ja. Er antwortete auf Schwedisch, schüttelte vehement den Kopf und ging weiter. Wo er dann auf die jungen blonden Frauen traf und sie erleichtert in die Arme schloss.

Ich blieb noch ein wenig auf dem Perron stehen, ohne abgeholt zu werden, dann beschloss ich, den ursprünglichen Plan mit dem Bahnhofsgebäude wieder aufzunehmen. Kaum war ich in der Nähe, kam mir eine gehetzte Frau entgegen. Wir schauten einander in die Augen und wussten sofort, dass wir zusammengehörten. Erleichtert umarmten wir uns und versicherten uns gegenseitig, wie schlecht wir abgemacht hatten und wie gut es war, dass wir uns dennoch so einfach gefunden hatten.

So lernte ich Noemi kennen, die mich zuerst zum Einkaufen in den Coop und dann in ihr Paradies in Åboholm  brachte.

Die Emotionen

Während mich am ersten Reisetag meine Offenheit überrascht hatte, war es am zweiten Tag ein ganz plötzliches Heimweh. Nicht nach zu Hause, aber nach meiner Familie.

Ich räumte die Einkaufssachen in die Küche meines perfekten Schwedenhäuschens, und mir kamen die Tränen. Ich sollte das doch zusammen mit meinem Mann machen! Mit ihm diskutieren, wo der Kaffee hinkommt und wo das Brot. So machen wir das doch immer, wenn wir in einer Ferienwohnung ankommen. Was will ich ganz allein meinen Kaffee dort hinstellen, wo ich ihn haben will? Und dann der Kleiderschrank. Ich soll einfach den ganzen Platz nutzen, ohne Abmachung, wer welche Regale braucht?! Die Spiele, Puzzles, Adventure Games, die ich ins Wohnzimmer legen würde, um sie in den nächsten Tagen mit den Teenies zu spielen. Die fehlten auch (die Spiele und vor allem die Teenies, die zu diesem Zeitpunkt längst mit InEars auf ihrem Bett gelegen und Spotify gehört hätten).

Ich räumte also meine Sachen ein, während mir Tränen über die Wangen kullerten, vermisste meine Familie (wo ich schon dabei war, schloss ich meine Eltern und die Kaninchen auch gleich in die Vermissung mit ein) und war mir doch ganz sicher, dass ich genau hier sein wollte, ohne sie alle, allein. Das geht nämlich problemlos zeitgleich.

She writes you into her book!

In Åboholm  habe ich ein ganzes halbes Häuschen für mich allein. Haus Astrid, benannt nach der wunderbaren Astrid Lindgren. Noemi und Bruno haben mir extra zwei Schreibtische hineingestellt, in jedem Stock einen, beide mit toller Aussicht, damit ich mich auch ganz sicher wohl fühle beim Schreiben. Am Küchentisch kann man ebenfalls schreiben (mit Blick auf uralte Eichen), und wenn sie Zeit haben, werden sie auf der Veranda auch noch ein Schreibplätzchen einrichten. Also falls ich aus irgendeinem Grund nicht so viel schreiben sollte in den nächsten drei Wochen, liegt es ganz bestimmt nicht an fehlenden Schreibtischen!

Es ist alles ganz zauberhaft hier, nicht nur die Tische, sondern das ganze Häuschen, der Blick auf den See, das Rauschen des Wasserfalls vom Stausee, die Bäume, einfach alles.

Damit ich nicht immer nur mit mir bin, darf ich bei Noemi und Bruno essen, zusammen mit den jungen Leuten, die ihnen beim Auf- und Umbau von Åboholm  helfen.

«She will write everything we say or do into her book», warnte Noemi die Tischgemeinschaft beim gemeinsamen Abendessen vor. Und hey, das würde ich wirklich sehr gern machen, und ich könnte wohl ein ganzes Reisetagebuch füllen mit all den lustigen deutsch-englisch-schweizerdeutschen Gesprächsmomenten dieses Abendessens, nur leider holte mich genau dann die Müdigkeit ein.

Da war nichts mehr mit Quatschen und Connecten, nicht einmal wirklich mit aktivem Zuhören. Ganz plötzlich waren meine Batterien leer, und ich spürte, wie müde ich war, und wie erleichtert, dass ich so gut hier angekommen war.

Es gibt hier also vorläufig keine deutsch-amerikanisch-schweizerischen Fun Facts, aber eine Frage, die ich aus dem Stegreif hätte beantworten sollen (müde wie ich war) und die ich kaum falscher hätte beantworten können: Wie lange gibt es schon Schrauben?

Na? (einer der deutschen Lieblingsausdrücke der jungen Amerikanerin, deren Namen ich leider nicht verstanden habe und zu müde war, um nachzufragen)

Wir lesen uns die nächsten Wochen im Haus Astrid, liebes Reisetagebuch!

Liebes Reisetagebuch: Von Lenzburg nach Travemünde Skandinavienkai

Dies ist das Reisetagebuch meiner Schreibauszeit in Schweden. Intuitiv, unstrukturiert und unvollständig wie alle meine Tagebücher.

Platz 111

Mein Sitzplatz im ICE Basel-Hamburg war so cozy, dass ich ihn erst gar nicht gefunden habe. Wagen 1, Platz 111.

Leider gab es im Wagen 1 nur Plätze bis zur Nummer 93. «Am anderen Ende des Zuges hat es noch einen Wagen 1», glaubte ein Mitreisender zu wissen, und ich dachte, dass ich nichts zu verlieren hätte, wenn ich diesen suchte. Also lief ich durch die Waggons.

Wagen 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9. Keine Anzeichen, dass der Zug irgendwann anfangen würde, rückwärts zu zählen (vielleicht erst bei 15, wie in den Spielregeln von «Avocado Smash»?). Am Ende von Wagen 9 traf ich auf eine Zugbegleiterin. «Meine Reservation ist für Platz 111 im Wagen 1. Aber den gibt es nicht. Gibt es einen anderen Wagen 1?», fragte ich sie. «Oh, den Platz gibt es schon.» Sie lächelte. «Sie müssen ganz durch den Wagen 1 hindurchgehen, an den Fahrrädern vorbei, dann hat es ein kleines Abteil. Dort ist Platz 111.» – «Also ganz zuvorderst im Zug?», fragte ich. Sie nickte.

Ich bedankte mich und machte mich auf den Rückweg. Wagen 9, 8, 7, 6, 5 lief ich hinter einem Mann und einer Frau von der Bahnpolizei her. Ich verlor sie schliesslich, weil sie einen Mann aus dem Zug begleiten mussten. Der Polizist verkürzte sich die Wartezeit bis zum nächsten Bahnhof, indem er bei allen Anwesenden den Ausweis kontrollierte, und ich panikte kurz beim Gedanken, ob man für Schweden eigentlich einen Pass braucht, oder ob die ID genügt. Sie muss genügen btw.

Wagen 4, 3. Ab da folgte ich einer Frau, die sich ebenfalls mit ihrem Koffer durch die Reihen und Neuzugestiegenen schlängelte. Wagen 2, 1. An allen Sitzplätzen vorbei. Der Frau nach. Am Fahrradbereich vorbei. In ein kleines Kabäuschen. Zwei Viererabteile, abgetrennt vom Rest des Waggons durch eine Glastür. Platz 111 für mich. 114 für die Frau. Für die 7 Stunden bis Hamburg. Einfach perfekt.

Danke ans Team von Simpletrain, das meine Reise organisiert hat, für das erste kleine Abenteuer, den Fortschritt auf dem Schrittzähler und meinen cozy Lieblingsplatz im Wagen 1.

Die Handwerkerinnen

Vor der Frau auf Platz 114 gab es die vier Frauen im Abteil vor mir im Regionalzug nach Basel. Alles Alleinreisende, aber zwei von ihnen kamen über die Strickarbeit der einen ins Gespräch. Sie unterhielten sich darüber, wie wohltuend Handarbeit ist, was es für einen beruhigenden Einfluss auf den Körper hat und dass es eigentlich ein Buch zu diesem Thema geben sollte.

Ich beugte mich nach vorne und schaute zwischen den Sitzen hindurch in ihr Abteil (ja, so wie die Kinder das machen). «Tschuldigung, dass ich gelauscht habe, aber eine Freundin von mir schreibt genau dieses Buch. Über die Wirkung von Handwerk auf das Nervensystem. Warten Sie noch ein halbes Jahr, und Sie können es lesen.» – «Geht es nur ums Stricken?», wollte die Strickerin wissen. Ich verneinte. «Um verschiedene Arten von Handwerk.» – «Oh, das ist toll. Ich nähe nämlich», klinkte sich die dritte Frau im Abteil ins Gespräch ein. Ich beugte mich zurück, und von da an unterhielten sie sich alle vier übers Nähen und Stricken, über Stoffmärkte und kreative Websites. Wir stiegen alle in Basel aus. «Wie heisst denn Ihre Freundin?», wollte eine der Frauen noch von mir wissen. «Eva Zurlinden.» – «Toll. Ich werde sie gleich googeln», befand die Strickerin. «Tun sie das, es lohnt sich!», ermutigte ich sie und alle ihre Nicht-mehr-Sitznachbarinnen. (damit du nicht googeln musst: www.evazurlinden.ch)

Das Fahrrad

Frau 114 und ich blieben nicht allein in unserem cozy Abteil. Es gesellte sich ein Herr zu uns, der sein Fahrrad vermisste. Es hätte zu ihm nach Hause geliefert werden sollen, was es aber nicht getan hatte, und dafür war ein Dienstleister verantwortlich. Der Herr von Sitz 116 telefonierte mit mehreren Mitarbeitenden der Firma, erzählte ihnen allen von seinem Frust und davon, dass er morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren müsse. Fragte jedes Mal, ob die Person am Telefon ihn denn zur Arbeit fahren würde, wenn das Fahrrad nicht pünktlich bei ihm sei??!!! Bezahlt hat er nämlich, und er will jetzt auch die Leistung. Und Geld zurück. Und er braucht das Fahrrad für die Arbeit morgen! Nach vielen Telefonaten war es dann soweit: Er sprach mit einer Mitarbeiterin, die ihm versprach, dass das Fahrrad am Abend bei ihm sein werde.

Ich hoffe für alle Beteiligten, dass es geklappt hat.

(Also ehrlich gesagt, glaube ich, das Fahrrad war sogar vor ihm zu Hause. Die Deutsche Bahn tat nämlich Deutsche-Bahn-Dinge und erstand sich eine Verspätung von über einer Stunde. Was für den Herrn von Sitz 116 hiess, dass er seinen Anschlusszug in Hannover verpassen und zwei Stunden später als geplant zu Hause sein würde. Aber er wird sich bei der Deutschen Bahn melden und Geld zurückverlangen. Die Reise sei ihm zwar von der Krankenkasse bezahlt worden, aber trotzdem. Dann erzählte er noch, dass er aus der Reha komme und arbeitsunfähig geschrieben sei, und nun bin ich gar nicht mehr sicher, wofür er sein Fahrrad morgen eigentlich so dringend braucht.)

«Thank you for choosing Deutsche Bahn»

Gern geschehen, aber viel Auswahl hatte ich ja ehrlich gesagt nicht. Nur diese, Verbindungen mit grosszügigen Anschlusszeiten zu wählen. Thank you for hoping with Deutsche Bahn.

Der Zug, der pünktlich fuhr

17.06 Uhr sollte der Zug von Hamburg nach Travemünde auf Gleis 5 Sektor A – C losfahren. Um 17.03 Uhr trafen wir mit 47 Minuten Verspätung auf Gleis 11 ein. Nie zu spät für eine Challenge, oder? Ich hatte mich rechtzeitig von meiner Reisebegleiterin verabschiedet und stürzte mich aus dem Zug, aufs Perron, durchs Getümmel, eine Treppe rauf, eine Treppe runter. Ja, da stand der Zug! Ja, da stand Travemünde drauf! Ja, da war der Knopf. Und der blieb rot, als ich ihn drückte. Zweimal. Dreimal. Der Zug fuhr los. Um 17.06 Uhr. Ohne mich.

Eine Stunde, in der man weiss, dass man auf keinen Fall den nächsten Zug verpassen darf, weil es sonst am Fähr-Check-In knapp wird, reicht nicht aus, um Hamburg zu würdigen. Ich war im  Bahnhofsgebäude, wurde zweimal von Aktivisten angesprochen (und hatte keine Lust auf Aktivismus), ging ein paar Mal oberhalb von Gleis 5 hin und her, weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich schon runter wollte oder doch noch ein paar Fotos machen – und stieg schliesslich in den Zug, der um 18.06 Uhr – pünktlich! – losfuhr.

Beware of the Swiss Lady

Ich habe ja schon gedacht, dass das Alleinreisen eher weniger bekannte Seiten in mir hervorbringen würde. Aber wie schnell ich Leute anquatsche, wenn ich gerade nicht weiterweiss und niemanden zum Diskutieren dabeihabe, hätte ich nicht gedacht.

«Ist das der Zug nach Travemünde?» – «Sind wir in einem der Wagen, die hier noch weiterfahren?» – «Der Zugbegleiter hat gesagt, von diesem Bahnhof aus fährt ein Bus zum Fährterminal. Aber da ist kein Bus! Wissen Sie, wo der Bus ist???» (Ehrlich gesagt, war da nicht mal ein Bahnhof …) «Gehen Sie zur Fähre nach Malmö? Dann komme ich einfach mit Ihnen mit.»

Am Ende hätte ich fast eine Schwedin und ihre zwei Hündchen mit in meine Kabine genommen, weil ihre Kabinenkarte nicht funktionierte, aber sie wählte dann doch die Lösung, an der Rezeption nach einer neuen Karte zu fragen.

Also: Wenn ihr nicht angesprochen werden wollt im Zug, auf dem Perron, an der Bushaltestelle, im Bus oder im Labyrinth der Fähre, dann haltet euch von mir fern!

Und damit gute Nacht, liebes Reisetagebuch

Planst du noch oder schreibst du schon?

Als Mitglied der Schweizer Schreibfrauen habe ich einen Beitrag für unseren gemeinsamen Blog verfasst. Das Thema lautet «Plotten oder pantsen – planen oder drauflosschreiben?».

Ich verlinke den Artikel hier und würde mich freuen, wenn du ihm folgen würdest.

https://www.schweizerschreibfrauen.com/post/plotten-oder-pantsen-planen-oder-drauflosschreiben

Und wenn du dann schon mal da bist, empfehle ich dir, dich auf der Website herumzuschauen. Weitere Blogartikel zu lesen, die Schreibfrauen kennenzulernen, deren Websites zu besuchen, Bücher zu kaufen, …

Mails, die man als Autorin bekommt

Letzte Woche erreichten mich zwei Mails im Zusammenhang mit meinem Roman «Die Aussicht auf BUNT».

Die eine Mail war von Books on Demand, dem Anbieter, bei dem ich das Buch drucken lasse.

Moin Mirjam, heute feiern wir bereits den 5. Geburtstag deines Buches „Die Aussicht auf Bunt»! Fünf Jahre  –  das sind 1825 Tage, 43.800 Stunden und 2.628.000 Minuten. Ganz schön viel, oder? Wir freuen uns sehr, dass wir mit dir gemeinsam für mehr Vielfalt im Buchmarkt sorgen. Alles Liebe, dein BoD-Team

An diesen Buchgeburtstag hätte ich tatsächlich selber nicht gedacht. Von daher: Happy Birthday, liebes BUNT-Buch, lieber 2. Band von Alexa und Ian!

Aber worum geht es denn eigentlich in dem Buch? Eine Antwort darauf liefert die zweite Mail in meinem Postfach. Sie ist von Dorothy von Elite Premium Solutions. Dorothy schreibt:

«Besonders berührend ist die Art, wie Sie sich dem Thema Trauma nähern. Die Geschichte wirkt sehr nahbar und gleichzeitig feinfühlig erzählt, sodass man als Leser direkt in die emotionale Welt der Figuren eintaucht.»

Dorothy schildert weiter in blumigen Worten, wie interessant, bewegend und vielsagend der Roman geschrieben ist, aber leider ist da eben auch noch das:

«Solche einfühlsamen und psychologisch fundierten Romane über Heilung und Neubeginn haben ein großes Potenzial. Gleichzeitig fällt mir auf, dass genau diese Bücher im digitalen Raum oft nicht gezielt genug die Menschen erreichen, die sich nach literarischer Begleitung auf ihrem eigenen Weg der Verarbeitung und des Aufbruchs sehnen.»

Natürlich hat die liebe Dorothy eine Elitelösung für mich und BUNT:

«Ich habe dazu eine kurze, klare Einschätzung erstellt, die zeigt, wo diese unsichtbare Lücke entsteht und wie man gezielt mehr Aufmerksamkeit für solche tiefgründigen und hoffnungsvollen Romane schaffen kann. Wären Sie offen dafür, wenn ich Ihnen diese Einblicke zusende?»

Lass mich kurz nachdenken …

Nein. Ich bin nicht offen für die Einschätzung irgendeiner fremden Dorothy, die mir ungefragt Mails schreibt.

Stattdessen zeige ich hier wieder einmal das Buch und bestätige, dass das, was Dorothy schreibt, grundsätzlich wahr ist – schliesslich hat sie die Wörter alle irgendwo aus dem direkten Umfeld des Romans zusammengesucht (glaube ich zu wissen).

Also: «Die Aussicht auf BUNT» ist tatsächlich ein tiefgründiger und feinfühliger Roman, der sich mit dem Thema Trauma befasst und darauf verzichtet, einfache Lösungen zu bieten.

Erhältlich ist er als Taschenbuch und Ebook im Buchhandel oder direkt bei mir, dann gern inklusive Lesezeichen und Widmung.