Blog

Mein Buch vermag nicht zu begeistern

Nachdem ich kürzlich leicht überfordert las «Dein Buch ist top», las ich gestern – auf eine andere Art herausgefordert – «das Buch vermag mich nicht zu begeistern, ich habe es abgebrochen».

Kennt ihr dieses Rumoren im Bauch, wenn sich Enttäuschung breitmacht, vermischt mit der Angst, versagt zu haben? Meine favorisierte Reaktion darauf ist, mich zurückzuziehen und die Karawane an mir vorbeiziehen zu lassen. Vielleicht merkt ja niemand, dass da gerade etwas Unangenehmes läuft.

Gestern habe ich mich für ein anderes Vorgehen entschieden. Ich habe dem Verfasser/der Verfasserin der Rückmeldung öffentlich zurückgeschrieben und ehrlich gesagt, dass ich als Leserin verstehen würde, wenn man seine Zeit nicht mit einem Buch verbringen wolle, das einem nicht begeistern kann. Dass ich mich als Autorin aber freuen würde, wenn der Roman noch eine Chance bekäme.

Danach zog ich mich zu meinen Writing Buddies ins Schreibnachtforum zurück und schrieb mir die Enttäuschung in einem kurzen Satz von der Seele. Nun, sie sind Autor*Innen. Sie lasen zwischen den Zeilen und spürten, dass da mehr war als ein bisschen Aufgewühltsein. Sie reagierten wunderbar:

Lass dich davon nicht runterziehen. Es gibt fabelhafte Bücher, die für Millionen von Leuten die Welt bedeuten … und mich kalt lassen.

Bücherlesen ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Man muss die Sprache, das Tempo, das Sujet mögen. Alles muss irgendwie stimmen und im Leser mitschwingen. Oder man muss willens sein, sich auf eine neue Erfahrung einzulassen – ein anderes Erzählen zuzulassen. Es hat also meiner Meinung nach mehr mit der Leserin/dem Leser zu tun, als mit deinem Buch.

Dein Buch kann nicht alle Leute gleich glücklich machen. Das wäre etwas viel verlangt, finde ich.

Es gibt so viele Menschen auf der Welt und sie alle haben unterschiedliche Ansprüche an eine Geschichte. Was für den Einzelnen perfekt ist, stört den anderen. Ich denke da gerne an das erste Harry Potter Kapitel. Wie häufig habe ich schon gehört, dass es schrecklich ist, dass man gar nicht in die Geschichte rein kommt, dass es bei einem Re-Read immer übersprungen wird? Und ich liebe es. *

Vielleicht noch als Zusatz: es passt auch nicht jedes Buch zu jeder Zeit. Was einen Leser heute kalt lässt, spricht vielleicht etwas in ihm an, wenn er neue Erfahrungen gemacht hat.

Und gerade die Rückmeldung, dass “das Buch nicht zu packen vermag” ist sehr individuell.

Sind sie nicht unglaublich, meine Buddies? Ihre Worte haben mir so gut getan, und das Beste war: Ich glaubte ihnen! Ich wusste, dass ich Ähnliches schreiben würde, wenn jemand von ihnen etwas in der Art posten würde.

Das dumme Gefühl im Bauch wurde kleiner, Kopf und Herz vereinten sich und glaubten gemeinsam daran, dass «Die andere Seite von SCHWARZ» für die einen ein wunderbares Buch ist, für andere ein Buch mit Stärken und Schwächen und wieder für andere ein Buch, das sie nicht lesen mögen. Und dass das okay ist so.

Es gibt ihn immer noch, den kleinen, verschnupften Kerl in meiner Bauchgegend, der findet, gerade mein Buch müsste aber allen Leser*Innen gefallen. Aber wenn er ganz ehrlich ist, kann sogar er akzeptieren, dass das nicht das Ziel sein kann.

Was ich hingegen gern noch wüsste (und die Kritikerin/den Kritiker auch gefragt habe): Haben Cover und Klappentext falsche Erwartungen geweckt?

Denn das ist etwas, was ich wirklich noch besser lernen will: Wie erreiche ich mit meinem Buch und meiner Werbung die Menschen, zu denen die Geschichte passt, die sie mögen und die damit schöne, berührende Lesestunden verbringen können?

*wie sehr und weshalb Francis Behrend Harry Potter liebt (nicht nur das erste Kapitel) kann man übrigens hier nachlesen: https://www.francisbehrend.de/harry-potter-von-joanne-k-rowling/ Es lohnt sich!

Schreibtipp: Starte nicht beim Anfang

«Wie hast du eigentlich angefangen zu schreiben?», fragt mich das Besuchskind. Ich verstehe die Frage zuerst falsch und schildere ihr den Beginn meiner Schreibkarriere. Erst im Lauf des Gesprächs merke ich, dass die Frage so gemeint war:

«Wie beginnst du einen Text?»

Die junge Nachwuchsautorin hat eine Idee für eine Geschichte, die sie schreiben will. Sie weiss, was passieren soll (und sie wird es mir einmal erzählen, wenn die anderen Kinder nicht dabei sind und zuhören). Sie weiss nur nicht, wie und wo sie beginnen soll.

«Das ist einfach», sage ich und freue mich an ihrem ungläubigen Blick. «Beginne irgendwo in der Mitte.»

Der Anfang ist das Schwerste. Der berüchtigte erste Satz, der sitzen muss, weil er darüber entscheidet, ob der Text gelesen wird oder nicht. Das erste Kapitel, das die Leser*innen der Leseprobe überzeugen und das Buch angemessen repräsentieren muss. Das sind gewichtige Aufgaben, die einem durchaus die ganze Schreibmotivation nehmen können.

Deshalb beginne ich meine Bücher, Blogartikel, Mails, … nicht mit dem ersten Satz, sondern mit dem, was mir auf dem Herzen liegt. Mit dem, was gerade zuvorderst ist.

Wenn ich weiss, wo der Text mich hingeführt hat, verpasse ich ihm einen Anfang. Das kann ganz leicht sein (manchmal stellt sich gar heraus, dass es eben doch der Anfang war, den ich zuerst geschrieben habe). Oder es kann auch im Nachhinein noch sehr schwer sein (manchmal brauche ich dabei Hilfe von unabhängigen Testlesern).

Aber es ist für mich immer einfacher, den Anfang eines bestehenden Textes zu finden, als einen Anfang auf ein weisses Blatt/ein weisses Worddokument zu zaubern.

Ich bin gespannt, was mir die junge Geschichtenschreiberin beim nächsten Besuch erzählt!

Wie beginnst du deine Texte?

Die Hass-Figur

«Gibt es in deinem Buch eine Person, die du hasst?», fragte meine Tochter auf einer unserer gemächlichen Sesselliftfahrten hinauf ins Schlittelgebiet .

«Ja, die gibt es.»

«Wen?»

Ich habe es ihr verraten. Hier verrate ich es nicht, weil es «Die andere Seite von SCHWARZ» spoilern würde. (Meiner Tochter musste ich anschliessend an die Antwort nämlich gleich den ganzen Inhalt des Romans erzählen.)

Ja, es gibt diese eine Romanfigur, die ich hasse für das, was sie getan hat, und dafür, wie sie mit ihrer Tat und deren Folgen umgeht.

Dennoch oder gerade deshalb habe ich ein Kapitel aus ihrer Sicht geschrieben. Ich wollte wissen, ob es mir gelingt, mich in jemanden zu versetzen, der so weit von allem weg ist, was ich richtig finde. Jemanden, für den ich kein Verständnis habe und auch keines haben will. Und tatsächlich: Ich fand Anschluss. Ich fand einen Punkt, der mir Zugang verschaffte zur Gefühlswelt dieser Romanfigur.

Das Kapitel war ursprünglich als Experiment und Schreibübung gedacht, doch dann entschied ich mich dafür, es ins Buch aufzunehmen. Einmal darf die Hass-Figur ihre Stimme erheben. Einigen Leser*innen fällt auf, dass das Kapitel nicht ganz passt. Sie wundern sich, wo es herkommt oder warum es nicht weitergeht, oder sie stören sich daran, dass es überhaupt da ist. Bisher hat mich niemand dafür gelobt, der Person eine Stimme gegeben zu haben. Ich glaube, niemand würde das Kapitel vermissen, wenn ich es nicht ins Buch aufgenommen hätte.

Für mich gehört es dennoch hinein. Ich habe die Hass-Figur und ihre Tat erschaffen, und ich wollte ihr die Chance geben, etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen. Sie hat sie nicht genutzt. Ich hasse sie immer noch.

Wenn die Schule anruft

Der Tweet einer Autorenkollegin hat mich an einen Blogtext erinnert, den ich geschrieben habe, als meine Tochter in der 1. Klasse war. Ich habe ihn gesucht und mich beim Lesen so amüsiert, dass ich ihn hier re-poste.

Gestern um ca. 11.30 Uhr klingelte mein Handy, eine unbekannte Nummer. Nach kurzem Zögern ging ich ran. Vorausschicken muss ich noch, dass in der Schule ein Spezialprogramm lief, die Klasse meiner Tochter schnitzte zusammen mit Sechstklässlern Räbeliechtli. Das Gespräch verlief folgendermassen:

(Was ich gesagt habe. Was der Lehrer gesagt hat. Was ich gedacht habe.)

„Hallo?“

„Grüezi Frau W., hier ist Herr P. von der Schule.“

Ein Anruf von der Schule??! Was ist passiert?!

„Frau W., wir haben hier ein Problem…“

Ja, davon gehe ich aus, sonst würden Sie ja nicht anrufen! Oje, ich habe kein Auto, ich kann gar nicht zum Arzt fahren mit meiner Tochter!

„…mit dem Messerli, das ihre Tochter mitgebracht hat.“

MIT DEM MESSER! Sie hat sich verletzt!!! So schlimm, dass die Schule mich anruft!

„Ein Sechstklässler…“

Was???! Ein Sechstklässler ist mit dem Messer auf sie losgegangen?!

„… hat das Messer genommen…“

…ist damit Amok gelaufen und terrorisiert nun die Schule. Aber da kann ich doch nichts dafür!!!!

„…und behauptet, es sei sein Messer.“

…???

„Er sagt, er bekomme Probleme zu Hause, wenn er das falsche Messer mitbringe.“

Was hat denn der für ein Zuhause?

„Also wissen Sie, wir glauben, es ist das Messer ihrer Tochter, aber er gibt einfach nicht nach.“

Und deswegen rufen Sie mich an? 

„Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir Ihnen ein gleichwertiges Messer nach Hause geben mit einem schwarzen Griff statt einem roten?“

Wissen Sie was??! Ich nehme jedes Messer, solange Sie nur meine Tochter vor Messerangriffen und Sechstklässlern beschützen!

„Aber selbstverständlich, Herr P., das spielt überhaupt keine Rolle für mich. Richten Sie das meiner Tochter bitte aus.“

„Da bin ich froh. Herzlichen Dank, Frau W., und auf Wiederhören.“

Liebe Pädagoginnen und Pädagogen, Sie können sich merken: Wenn Sie von einer Mutter etwas wollen, versetzen Sie sie einfach kurz in Angst und Schrecken, nachher wird sie zu allem ja sagen. Oder Sie verzichten überhaupt auf eine direkte Anfrage und hören einfach auf das Kind. Die Version meiner Tochter, die sie mir eine halbe Stunde später erzählte, lautete nämlich: „Dä Sächstklässler het eigentlich nur mit de Lehrer Striit gha, ned met mer. Ond de hani gseit, är söll doch das rote Mässer näh, ich nähm ’s schwarze. I ha gwösst, dass der das gliich esch!“ Jawohl.

Mein Buch ist top

«Dein Buch ist top! Du bist ein Profi.»

BÄM!!!

Die Worte hat mir jemand geschrieben, dessen Meinung über mein Schreiben mir wichtig ist. Jemand, den ich als sehr differenzierten Menschen kennengelernt habe. Und dann schreibt er diese absoluten Aussagen, ohne sie durch irgendetwas zu relativieren.

Ich stehe im Schilf. Weil ich weiss, dass er recht hat. Und weil ich weiss, dass er nicht recht hat. Weil sich in mir innerhalb einer Sekunde tausend «Aber …» formieren, die ungeduldig zurückgehalten werden von einer resoluten Stimme, die sagt: «Jetzt denk erst mal darüber nach, bevor du dagegen argumentierst!»

Also denke ich nach. Ein bisschen wirr, schliesslich stehe ich an dem Tag vor einer der ganz seltenen Fiebernächte in meinem Leben (was ich natürlich noch nicht weiss). Mitten im Denken stolpere ich über einen Tweet, der argwöhnt, dass es Frauen schwerer fällt, ihre Bücher zu promoten. Weil «Bescheidenheit ist eine Zier» und so.

Ist das der Grund, warum ich jedes Mal ungläubig staune, wenn jemand mein Buch so richtig, richtig mag, und sowas denke wie «Ja, da habe ich halt genau seinen/ihren Geschmack getroffen. Glück gehabt!»? Sagt mir hingegen jemand, dass er den Roman zwar gern gelesen hat, da und dort aber schon Fragezeichen habe oder dies und das nicht so mochte, dann denke ich: «Genau. Ich weiss, dass ich schreiben kann, aber soooo gut ist das Buch natürlich nicht.».

Schon möglich, dass da gelernte weibliche Bescheidenheit hineinspielt (obwohl diese bestimmt nicht zu meinen herausragenden Eigenschaften gehört). Ich weiss aber tatsächlich, dass mein Roman auch Schwächen hat. Ich weiss das so gut wie niemand sonst. Ich habe ihn nämlich geschrieben und verlegt. Niemand kennt die Geschichte besser als ich, niemand ist näher an ihr dran als ich. Niemand weiss besser als ich, wie sehr sie sich verändert hat über die Monate der Entstehung und wie viel mehr sie sich noch hätte verändern können, wenn ich nicht irgendwann gesagt hätte: «Stopp! Genauso wird der Roman veröffentlicht.»

Ich bin Profi genug, um mir nicht einzubilden, das perfekte Buch geschrieben zu haben. Profi genug, um zu glauben, dass es Leute gibt, die mein Buch uneingeschränkt lieben. Profi genug, um durchdachte Kritik gern entgegenzunehmen. Profi genug, um um meine Stärken und Schwächen als Autorin zu wissen (jedenfalls um einige). Auch Profi genug, um zu wissen, dass es nicht unbedingt die besten Bücher sind, die am meisten gekauft werden.

Ich bin aber nicht nur Profi. Ich bin Hobbyautorin und Selfpublishing-Lehrling, und das sage ich nicht aus weiblicher Bescheidenheit, sondern weil ich an lebenslanges Lernen glaube. Ich bin nicht als Meisterin vom Himmel gefallen, sondern habe meine Schreibbegabung über Jahrzehnte trainiert. Ich habe den Kontakt zu meinen Lesern und Leserinnen geübt. Ich lerne, wie Selfpublishing funktioniert, Marketing und Social Media. Ich will Lernende sein, Fehler machen dürfen, etwas ausprobieren, scheitern und überraschend Erfolg haben. Ich will nicht glauben, der Profi sein zu müssen, der alles im Griff hat.

Dein Buch ist top. Und wenn es so wäre? Wenn ich dies einfach ohne Wenn und Aber glauben würde? Das kann ich nicht, das weiss ich nach mehreren Tagen des Nachdenkens und Nachfühlens.

Aber was ich kann, ist sagen: Mein Buch ist gut, und es hat das Potenzial, von Lesern und Leserinnen als Top-Buch angesehen zu werden!

(Ja, das kann ich sagen, aber nicht, ohne dabei ganz unprofihaft und leicht hysterisch vor mich hinzukichern.)

Habt ihr Wünsche?

Nach den Weihnachtswünschen und den Neujahrswünschen kommt hier die nächste Wunschstufe: Was wünscht ihr euch von meinem Autorinnenblog?

Erfahrungsberichte, Schreibtipps, Alltagsschnipsel, Kurzgeschichten, Gedichte (was ich nicht hoffe!), Buchempfehlungen, Vorstellen von anderen Autoren und Autorinnen, «wie entsteht mein Buch?», etwas ganz anderes, …

Was möchtet ihr hier lesen? Was interessiert euch? Oder braucht es am Ende gar keinen Blog an dieser Stelle?

Es ist nie zu früh für ein bisschen Jahresrückblick

Früher Morgen am 4. Advent. Die Familie schläft aus, ich bin wach, sitze mit einem ersten Kaffee am Küchentisch und mache mir Gedanken.

Heute ist der vierte Advent. Alle Kerzen am Adventskranz brennen, das Warten hat beinahe ein Ende. Zwei Tage noch, und es sind die Kerzen am Weihnachtsbaum, die erstrahlen. Heiligabend, Weihnachten, die Rauhnächte, Silvester, der Jahreswechsel. Eine Zeit, geprägt von Geschäftigkeit und Besinnlichkeit.

Es sind die letzten Tage des Jahres 2019. Für mich als Autorin war es ein verrücktes Jahr. Im Frühling der Entscheid, nicht mehr auf die Antwort von Verlagen zu warten, sondern «Die andere Seite von SCHWARZ» im Selfpublishing herauszugeben. Die Reise nach Oslo, die mein Buch, seine Figuren und das ganze Projekt noch ein Stück greifbarer und realer machten. Der ganze Prozess von Korrektorat, Covergestaltung, Titelsuche, Klappentext, Buchsatz. Der grandiose Moment, als alles getan war und ich das erste Mal auf «Senden» drückte auf der Seite von Books on Demand. Der Probedruck des Buches, der einfach nur perfekt war – mit einem Fehler bei den Seitenzahlen, den mein Mann natürlich entdeckte. Das schon beinahe routinierte Hochladen der definitiven Version. Die beiden grossen, schweren Bücherkisten. Mein Stolz, meine Freude über diese wunderschönen Bücher. Die Worte meiner Mutter, die das fertige Buch als Erste las. «Das Buech, Miri, das Buech!» Sie sagte noch mehr, aber der Tonfall, mit dem sie diese Worte sagte, werden mir bleiben.

Die Reise nach Frankfurt, die Treffen mit anderen Autoren und Autorinnen, das Erlebnis, Teil der grossen, weiten Buchwelt zu sein. Die Vernissage, dieser perfekte Anlass, um mein Buchkind in die Welt hinauszulassen. Rückmeldungen von Lesern und Leserinnen, das steigende Vertrauen, dass meine Geschichte die Menschen wirklich erreicht. Dennoch immer wieder die Angst, mich zu angreifbar gemacht zu haben. Kritik zu Stil und Inhalt, die passt, die ich annehmen und einordnen kann. Anderes, das mich eher ratlos zurücklässt. Nun im Dezember die Leserunde auf Lovelybooks. Mir völlig fremde Menschen, die mit Alexa und Ian mitfiebern, die mein Buch lieben und begeisterte Rezensionen schreiben. Die fünf Sterne vergeben. Die junge Frau am Weihnachtsmarkt, die mich mit leuchtenden Augen auf «Die andere Seite von SCHWARZ» anspricht. Die Beinahe-Nachbarin, mit der ich noch nie ein Wort gewechselt habe, und die mir zwei Bücher als Weihnachtsgeschenke abkauft.

Ich könnte vor Glück weinen und lachen, tanzen und einfach nichts tun. Bin aufgekratzt und erschöpft. Ungläubig staunend, stolz und dankbar.

Das Jahr war auch geprägt von Versuchen, eine Fortsetzung zu «Die andere Seite von SCHWARZ» zu schreiben. Meine Dropbox quillt über von Fragmenten, Versuchen. Ich habe so oft gedacht «das ist es», um mich wieder gescheitert zu fühlen. Es war nicht die Zeit. Erst musste ich das Buch loslassen, dann musste ich mich auf den Lorbeeren ausruhen. Das muss ich immer noch. Ich will ernten, ich will geniessen. Aber ich will auch schreiben. Nicht weil es sein muss, sondern weil ich es will. Weil es mir gut tut. Weil ich Autorin bin und nicht nur Selfpublisherin. Social-Media-Marketing ist gut und macht viel mehr Spass, als ich je gedacht hätte, aber es ersetzt nicht die Kreativität und Freiheit, die das Erfinden von Geschichten gibt. Ein Teil von mir fürchtet sich auch davor, tief in das Schreiben einzutauchen, nicht für die Familie und das Wesentliche da sein zu können in dieser Zeit. Als hätten wir das nicht auch schon geschafft! Natürlich geht es. Ich mache hier keine grossartige Ankündigung, aber ich sage: Ich bin jetzt und heute Morgen, im Licht dieser Adventskerzen, bereit, mit dem Herzen zu schreiben. Frei von den Erwartungen anderer, frei vom Druck der inneren Selfpublisherin. Die Verlegerin nimmt sich zurück, gibt der Autorin alle Freiheiten und beschäftigt sich wennschon mit den veröffentlichten Projekten oder dem Adventsbuch in der Schublade. Aber eigentlich könnte sie auch einfach Weihnachtsferien machen, während die Autorin die Stulpen über die Füsse zieht, die Haare zum Dutt dreht und im Kerzenschein die Worte aus dem Herzen fliessen lässt. Dazu braucht sie kein Internet, ausser vielleicht mal für die Recherche. Sie braucht kein Twitter, Instagram, Facebook, Lovelybooks. Sie braucht weder Follower, noch Klickzahlen. Vielleicht das Schreibnachtforum, weil dort die Leute sind, die auch schreiben. Das ist es. Das ist, was sie tun wird, und sie freut sich darauf.

Samstag und Sonntag auf der Frankfurter Buchmesse

Dachte ich am Freitag, es wären viele Leute an der Frankfurter Buchmesse, lernte ich am Samstag, wie es ist, wenn wirklich viele Leute da sind! Am Wochenende ist die Messe allen zugänglich, Bücher können gekauft werden, und zusätzlich sind Cosplayer unterwegs. Zeitweise war in einigen Hallen buchstäblich kein Durchkommen mehr!

Dafür fand ich endlich die Ausstellung vom Gastland Norwegen und genoss die Ruhe und Weite (dank Spiegeln), die dort herrschte.

Ich traf mich mit einer jungen Autorin, die mich mit ihrem Projekt total begeisterte und der ich viel Erfolg wünsche.

Ich verpasste das grosse Schreibnachttreffen, kam aber rechtzeitig zum Brainstormertreffen.

Ich liess mich am meet&greet beim Südpolverlag mit Heiko Hentschel fotografieren, bewunderte einmal mehr sein wunderbares Buchcover und kam mit einer anderen Besucherin ins Gespräch, die sich als die Schweizer Autorin Regina Rinaku entpuppte.

Das Abendessen mit den Brainstormers war schliesslich der perfekte Abschluss des Tages!

Fazit vom Samstag: Ich kann netzwerken unter Buchleuten und mache es gern, so wie es gerade passt und entsteht.

Am Sonntag wollte ich mir den Hugendubel-Pavillon auf der Agora von innen ansehen und landete in einer Lesung von Ulrich Wickert. Er überzeugte mich so, dass sein Kinderbuch «Ritter Otto, eine Prinzessin, eine Hexe, ein Drache und ganz viel mehr …» schliesslich das einzige Buch war, das ich in Frankfurt kaufte.

Ich sah Lukas Bärfuss auf der grossen Terrasse und Simone Lappert irgendwo in Halle 4 und stolperte an der Signierstunde von Nele Neuhaus vorbei.

Ich setzte alles dran, um doch noch eine der blauen Taschen zu ergattern, die es am norwegischen Goodie-Stand auch beim zweiten Mal fragen nicht mehr vorrätig hatte (aber in Halle 3.1, an einem Stand der mit «Oslo» angeschrieben war).

Schliesslich – nach dem Mittagessen im Norwegischen Restaurant und einer Abschiedsrunde durch die Hallen – war die Luft draussen.

Drei Tage voller Bucheindrücke waren vorbei.

Das Fazit der Frankfurter Buchmesse? Ich werde wieder hinfahren!

NaNoWriMo? No!

Für Autorinnen und Autoren ist der 31. Oktober nicht nur gruslig wegen Halloween, Süssigkeiten und mehr oder minder originell verkleideten Kindern, sondern auch, weil er die definitive Entscheidung verlangt:

Nehme ich am NaNoWriMo – am National Novel Writing Month – teil? Vernetze ich mich mit Schreibenden landes- oder gar weltweit und jage dem magischen Ziel «50’000 Wörter in 30 Tagen» nach?

Nach zwei Jahren, in denen ich mit viel Begeisterung und Freude teilgenommen habe, lautet meine Antwort heute: Nein!

Natürlich werde ich schreiben im November, vielleicht werde ich sogar von irgendjemandem angesteckt und fange an, Wörter in die Wordcounttabelle einzutragen,

aber ganz ohne Ziel,

ganz ohne Druck.

Meine Kreativität, meine Zielstrebigkeit und meine Disziplin haben genug gearbeitet dieses Jahr. Diesen November dürfen sie die Beine hochlagern und das Leben geniessen. Falls sie Lust haben, doch etwas zu arbeiten, bin ich da und nehme meine Füsse gern vom Tisch, um zu schreiben. Wenn nicht, dann lassen wir das jetzt so.