Wenn die Schule anruft

Der Tweet einer Autorenkollegin hat mich an einen Blogtext erinnert, den ich geschrieben habe, als meine Tochter in der 1. Klasse war. Ich habe ihn gesucht und mich beim Lesen so amüsiert, dass ich ihn hier re-poste.

Gestern um ca. 11.30 Uhr klingelte mein Handy, eine unbekannte Nummer. Nach kurzem Zögern ging ich ran. Vorausschicken muss ich noch, dass in der Schule ein Spezialprogramm lief, die Klasse meiner Tochter schnitzte zusammen mit Sechstklässlern Räbeliechtli. Das Gespräch verlief folgendermassen:

(Was ich gesagt habe. Was der Lehrer gesagt hat. Was ich gedacht habe.)

„Hallo?“

„Grüezi Frau W., hier ist Herr P. von der Schule.“

Ein Anruf von der Schule??! Was ist passiert?!

„Frau W., wir haben hier ein Problem…“

Ja, davon gehe ich aus, sonst würden Sie ja nicht anrufen! Oje, ich habe kein Auto, ich kann gar nicht zum Arzt fahren mit meiner Tochter!

„…mit dem Messerli, das ihre Tochter mitgebracht hat.“

MIT DEM MESSER! Sie hat sich verletzt!!! So schlimm, dass die Schule mich anruft!

„Ein Sechstklässler…“

Was???! Ein Sechstklässler ist mit dem Messer auf sie losgegangen?!

„… hat das Messer genommen…“

…ist damit Amok gelaufen und terrorisiert nun die Schule. Aber da kann ich doch nichts dafür!!!!

„…und behauptet, es sei sein Messer.“

…???

„Er sagt, er bekomme Probleme zu Hause, wenn er das falsche Messer mitbringe.“

Was hat denn der für ein Zuhause?

„Also wissen Sie, wir glauben, es ist das Messer ihrer Tochter, aber er gibt einfach nicht nach.“

Und deswegen rufen Sie mich an? 

„Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir Ihnen ein gleichwertiges Messer nach Hause geben mit einem schwarzen Griff statt einem roten?“

Wissen Sie was??! Ich nehme jedes Messer, solange Sie nur meine Tochter vor Messerangriffen und Sechstklässlern beschützen!

„Aber selbstverständlich, Herr P., das spielt überhaupt keine Rolle für mich. Richten Sie das meiner Tochter bitte aus.“

„Da bin ich froh. Herzlichen Dank, Frau W., und auf Wiederhören.“

Liebe Pädagoginnen und Pädagogen, Sie können sich merken: Wenn Sie von einer Mutter etwas wollen, versetzen Sie sie einfach kurz in Angst und Schrecken, nachher wird sie zu allem ja sagen. Oder Sie verzichten überhaupt auf eine direkte Anfrage und hören einfach auf das Kind. Die Version meiner Tochter, die sie mir eine halbe Stunde später erzählte, lautete nämlich: „Dä Sächstklässler het eigentlich nur mit de Lehrer Striit gha, ned met mer. Ond de hani gseit, är söll doch das rote Mässer näh, ich nähm ’s schwarze. I ha gwösst, dass der das gliich esch!“ Jawohl.

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