Von fiktiven, realen und virtuellen Begegnungen

Sie sass im selben Zugsabteil wie ich, war in ihr Handy vertieft und hatte einen Rucksack dabei, der so gut zu ihr passt, dass ich ihn wahrscheinlich ins Manuskript einfügen werde.

Celeste ist eine der Protagonistinnen aus meinem Roman, der gerade bei Testlesenden ist und von dem ich eigentlich Pause mache. Aber so ganz hat mein Kopf das nicht begriffen, er studiert nämlich viel an der Geschichte herum und daran, wie sie noch lebendiger werden kann.

So sehr, dass ich gestern eben plötzlich Celeste gegenübersass!

Es war natürlich nicht das erste Mal, dass sich die Fiktion meiner Geschichten mit der Wirklichkeit mischte. Ich erinnere mich an eine Begegnung während einer Weiterbildung. Plötzlich stand ich einer Frau gegenüber, die aussah und sich verhielt wie Linda, die Protagonistin aus «Ich melde mich ab». Es hat Spass gemacht, sie im Lauf des Tages besser kennenzulernen und dabei immer wieder an mein Buch erinnert zu werden.

Bei der jungen Frau im Zug war es anders. Ich grüsste sie, als ich mich vis-à-vis von ihr hinsetzte, und stutzte kurz. Dass sie mich an Celeste erinnerte, lag an wenigen Merkmalen. Ich schaute sie einen Ticken länger und genauer an, als wenn sie diese Ähnlichkeit nicht gehabt hätte. Danach widmete ich mich der Aussicht aus dem Fenster und warf ihr nur noch einige verstohlene Blicke zu.

Auch wenn ich es liebe, Menschen zu beobachten, bemühe ich mich nämlich sehr, nicht die creepy Frau zu sein, die dir im Zug gegenüber sitzt und dich anstarrt! (und wenn ich dir verstohlene Blick zuwerfe, wirst du leider nicht wissen, ob ich versuche, mit dir zu flirten, oder ob du gerade Roman-Inspiration bist, aber ich verspreche dir, dich nie 1:1 in meinen Roman zu übernehmen. Vielleicht aber deinen Rucksack …)

Es war nicht nur Fiktion und Realität, die sich gestern mischten, sondern auch Online- und Offline-Leben. Als ich «Celeste» begegnete, war ich nämlich auf dem Weg nach Baden zu einem Treffen mit der Jugendbuchautorin Alice Gabathuler. Sie hatte eine Lesung im Oberstufenschulhaus und nahm sich Zeit, vorher mit mir essen zu gehen. Es war ein unglaublich schöner, inspirierender, ermutigender und lustiger Abend. Ich habe einmal mehr gestaunt, wie eine Bekanntschaft aus dem Internet im realen Leben «verhebet». Buchliebe, Schreibliebe verbindet!

Und doch kappe ich gerade eine mediale Verbindung zu den Buchmenschen im World Wide Web: Ich werde dieses Wochenende meinen Twitter-Account löschen. Die Plattform entwickelt sich in eine Richtung, mit der ich mich nicht mehr wohl fühle. Zudem wurde sie für mich zu einem unkontrollierbaren Zeitfresser. Ich will diese Zeit lieber ins Schreiben stecken oder in Begegnungen wie diejenige von gestern Abend.

Und natürlich in mein virtuelles Café, das gern noch viel mehr zu einem Treffpunkt für Buchmenschen werden darf!

Das Café beendet seine Sommerpause

Herzlich willkommen in Mirjams Café, das pünktlich zum NaNoWriMo, dem berühmt-berüchtigten Schreibmonat, Wiedereröffnung feiert.

Heute gibt es bei mir einen Chai Latte, ein bisschen NaNo-Talk, ein nigelnagelneues Manuskript und einen Veranstaltungshinweis.

Zwei Projekte und der NaNoWriMo

Der National Novel Writing Month – ursprünglich aus den USA, mittlerweile weltumspannend – vereint Schreibende im Ziel, während eines Monats 50’000 Wörter zu schreiben. Das kann die ganze Rohfassung eines Manuskripts sein! Weil das Zählen des Wordcounts nicht für alle Schreibenden motivierend ist, haben sich mittlerweile Varianten des NaNo gebildet. Auf Instagram folge ich zum Beispiel dem Hashtag SchreibSoVielDuKaNo, «dem NaNoWriMo, aber in Wholesome», wie die Initiator*innen ihn beschreiben.

Mir kommt der Schreibmonat dieses Jahr sehr gelegen. Mein Langzeitprojekt «Liv und Celeste» liegt nämlich bei seinen Testlesenden, und ich lasse es ruhen. (Also äusserlich ruhen, in meinem Innern passiert ganz viel, da ich erste Rückmeldungen bereits bekommen habe und in regem Austausch mit den entsprechenden Testleserinnen bin.)

Unterwegs in die Herbstferien auf Elba habe ich die Inspiration für ein neues Manuskript gefunden, an dem ich jetzt schreibe. Keine 50’000 Wörter (ausser der Flow zieht mich unerwartet doch noch rein), aber dafür täglich. In den letzten vier Tagen habe ich genau 2’010 Wörter geschrieben.

Der Inhalt des neuen Projekts bleibt noch geheim. Weil ich wirklich nicht weiss, ob diese Geschichte je für jemand anderen als mich selbst sein wird, und weil ich es geniesse, sie gerade einfach nur für mich zu haben.

Es hilft mir, mich mit anderen Figuren als Liv und Celeste zu befassen, weil ich dadurch den nötigen Abstand zu ihnen gewinne, den ich für die nächste Überarbeitung brauchen werde.

Mein Ziel ist nämlich, Liv und Celeste nächstes Jahr zu veröffentlichen! (So, jetzt habe ich es geschrieben, jetzt ist es schon fast real.)

Buchmesse Fantastica, 20. November 2022

Morgen in zwei Wochen findet in St. Gallen zum ersten Mal die Schweizer Buchmesse Fantastica statt. Sie ist speziell für kleine Verlage und Selfpublisher*innen, und ich freue mich, zusammen mit Iris Pfammatter einen Tisch ergattert zu haben.

Zudem werde ich um 11.30 Uhr aus «Die Aussicht auf BUNT» lesen, worauf ich mich auch sehr freue, und auch schon entsprechend nervös bin.

Alle Infos findest du hier: fantastica-stgallen.ch

Schaust du vielleicht vorbei?

Mein bester Schreibtipp

Auf Instagram wurde ich nach meinem besten Schreibtipp gefragt. Geantwortet habe ich mit: Kill your Darlings!

Wie bitte?! Schreibt sie jetzt plötzlich Krimis? Thriller? Horror? Oder spickt ihre Geschichten mit einem Drama nach dem nächsten?

Nein, bisher nicht! Ich schreibe weiterhin meine charakterbezogenen (Liebes)Romane mitten aus dem Leben, in denen der Tod zwar ein Thema sein kann, aber nie um des blossen Dramas willen.

Ich nutze die Gelegenheit, öffne mein Café an diesem heissen Sommertag und erzähle, was ich unter dem Schreibtipp verstehe und wann mich seine Umsetzung am meisten geschmerzt hat.

Warum etwas streichen, das ich mag?

Zum ersten Mal von «Kill your Darlings» gehört habe ich im Schreibworkshop bei Milena Moser (hier habe ich schon einmal darüber gebloggt). Ich habe Milena damals so verstanden:

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Schreibupdate

Die ungeschminkte (und unfrisierte) Wahrheit ist …

… dass ich mit meinem Manuskript nicht so vorankomme, wie ich möchte, und meine angefragte Testleserin immer noch darauf wartet, die Rohfassung von «Liv und Celeste» lesen zu können. Das hat mit dem Leben zu tun, meinen Jobs, meiner Familie, wohl auch mit der Weltlage, und damit, dass ich schlecht darin bin, Projekte abzuschliessen.

… dass ich weit von meinem Jahresziel „täglich am Manuskript schreiben“ entfernt bin. Dass ich es nach wie vor anstrebe, weil ich daran glaube, dass es ein lohnenswertes Ziel ist-

… dass mir das Jahresmotto Selfcare sehr guttut. Die vielen kleinen und grossen Selfcare-Momente, die ich mir gönne, führen dazu, dass ich mich selbst besser spüre. Sie geben mir Energie und machen mich bereit für die Herausforderungen des Alltags.

… dass ich mich ein bisschen auf Nebenschaufplätzen verzettle, wie z.B. dem Umzug meiner Website auf einen anderen Server und damit einhergehend eine zeitaufwändige Überarbeitung.

… dass ich mir in den letzten Wochen mehrfach die Frage gestellt habe, ob ich wirklich angestellte Heilpädagogin, selbstständige Lerncoach und Autorin sein kann und will, und auf verschiedene Weisen immer wieder die Antwort bekomme, dass ich es kann und will.

… dass ich mir mehr Sichtbarkeit als Autorin wünsche und Ideen wälze, wie ich dies erreichen kann.

… dass mein 46. Geburtstag der erste war, an dem ich mir explizit Frieden gewünscht habe, und ich mir seither überlege, was mein Beitrag dazu sein soll.

Wie geht es dir?

Gehört Politik hierhin?

Darf man Gedanken zum Krieg in der Ukraine mit Buchcontent verbinden? Ist es in Ordnung, auf einem Autorinnenaccount (auf einer Autorinnenwebseite) politisch zu werden? Ist es am Ende gar Pflicht, jede noch so kleine Reichweite zu nutzen, um auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen?

Meine Buchbubble auf Instagram und Twitter ringt mit diesen Fragen. Ich lese klare Statements gegen den Krieg. Ich lese persönliche Worte, warum man sich bei dem Thema zurückhält. Ich lese von Betroffenheit, fehlenden Worten und dem Wunsch nach Rückzug. Ich lese und spüre Irritation über eine Social-Media-Welt, die den Krieg einfach ausblendet. Ich spüre und lese den Wunsch nach einer Insel, auf der dieser Teil der Realität ausgeblendet werden darf.

Und wisst ihr was? Ich finde das richtig und wichtig!

Lasst uns ringen, lasst uns fragen, lasst uns persönliche Antworten finden und lasst uns gut zueinander sein.

Ich bin keine Aktivistin, ich bin keine Expertin für Politfragen, und ich werde nicht plötzlich zu einer solchen, weil die Welt von einem weiteren Krieg erschüttert wird.

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Bold and Untold

Wenn das kein Grund für eine gemeinsame Kaffee-/Teerunde ist: Mein Manuskript «Liv und Celeste» hat sich in den Wettbewerb «Bold and Untold» von Boldbooks gestürzt!

Hier geht es zur Abstimmung: https://boldbooks.com/de/bold-and-untold/februar-2022/liv-und-celeste

Sie läuft noch bis am 28.02.2022.

Gesucht werden Manuskripte, die «bold“ sind im Sinn von: subtil, berührend, provokant, experimentell, unterhaltsam, aufschlussreich. Die Jury sucht Manuskripte, die «etwas wollen» und Autor*innen, die mit ihrem Autorensein etwas erreichen wollen.

Und das ist, was ich will mit meiner Rockromance über die Begegnung zweier Frauen, die verschieden sind an Alter, Herkunft, Überzeugungen und Erfahrungen:

«Liv und Celeste» bricht mit Klischees, Vorurteilen und festen Vorstellungen, spielt damit und setzt sie neu zusammen. Ich möchte zeigen, dass vermeintliche Schwächen Stärken sein können, das Offensichtliche nicht das Wichtige sein muss und Grenzen sich verschieben können. Und wie mit allen meinen Büchern möchte ich die Leser*innen unterhalten, berühren, herausfordern und ihnen Lesestunden schenken, während denen sie ganz in eine Geschichte eintauchen können.

Auch wenn die Chancen auf einen Gewinn verschwindend klein sind (andere Manuskripte haben bereits Hunderte und Tausende von Stimmen), freue ich mich über jedes Herzchen, das Liv, Cel und mich den Preisgeldern in der Höhe zwischen 500 und 5000 Euro näherbringt ❤️🧡💛💚💙💜! (und mir und meinem Ego guttut – hüstel)

In der Wettbewerbseingabe enthalten ist übrigens auch eine Leseprobe, die euch die Chance gibt, meine beiden Ladys bereits etwas kennenzulernen.

Bücher, Bücher, Bücher …

… und zwar für einmal nicht meine eigenen, sondern diejenigen, die ich in den ersten Wochen des Jahres gelesen habe oder gerade lese.

Diese Bücher stelle ich heute in Mirjams Café vor. Ohne Bewertung (ausser bei dem einen, zu dem ich eine Rezension geschrieben habe), weil ich lieber lese, ohne dabei zu werten.

Schreibt die Autorin, die immer wieder um Rezensionen zu ihren Romanen bittet …

Mirjams Januarbücher

Das Ebook «In Richtung Stoppelfelder» von Lene Jansen habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen. Meine Rezension zu diesem schönen, manchmal ruhigen und manchmal fulminanten Debütroman findet ihr hier.

«Radikale Selbstfürsorge – jetzt! Eine feministische Perspektive» von Svenja Gräfen hat mir eine Twitterin (Twittererin?) empfohlen. Ich habe nicht viel Neues gelernt beim Lesen dieses Ebooks, aber ganz viel Bestätigung bekommen und ein paar Zusammenhänge wiederentdeckt (v.a. zum Zusammenspiel zwischen Körper und Psyche).

«You make me fly» von Murphy Malone war ein weiteres Leserunden-Ebook. Nach der ersten Begeisterung über die spannenden Charaktere und den Handlungsort Schottland beschlich mich immer mehr ein mulmiges Gefühl beim Lesen. Als ich merkte, weshalb, brach ich das Buch ab, und teilte es der Autorin mit. Sie hat sehr verständnisvoll und souverän darauf reagiert, dass ich die versprochene Rezension nicht schreiben werde.

Kleiner Exkurs zum Thema Triggerwarnungen

«You make me fly” arbeitet mit Triggerwarnungen. Eine allgemeine Auflistung gibt es am Anfang des Buches, eine ausführliche, in Kapitel aufgeteilte Liste am Ende.

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Lesung mit Linda Kieser

Einen schönen guten Nachmittag und herzlich willkommen im Café, wo es heute Cola, Toast und eine Doppellesung gibt. Wie immer darfst du natürlich auch ein anderes Getränk deiner Wahl bestellen!

Ich habe mich gestern an ein Experiment gewagt: Eine Live-Lesung auf Instagram!

Zur Lesung ermutigt hat mich die supersympathische Autorin Linda Kieser. Im Vorgespräch haben wir gemerkt, was unsere unterschiedlichen Bücher – ihr dystopischer Jugenroman und meinen Liebes- und Lebensroman – verbindet:

Grossmütter und Hoffnung!

Während einer Stunde haben wir gelesen und dabei ein wenig gequatscht (wobei dieser Teil fast zu kurz gekommen ist, denn so eine Stunde kann unglaublich schnell vorbei sein).

Wenn du Lust hast, Linda und mir zuzuhören, findest du die ganze Lesung auf ihrem Instagram-Account, den ich hier verlinke.

Wir haben dabei auch schwere Themen nicht ausgelassen, daher die Content Notes: Krankhkeit, Depressionen, Traumata, Antidepressiva.

(Unter dem Link schreibe ich noch ein paar Zeilen über meine Erfahrung mit dem Experiment Instagram-Lesung).

https://www.instagram.com/tv/CYuaJlepEpx/?utm_source=ig_web_copy_link

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Jahresmotto 2022

Herzlich willkommen zum ersten Kaffeeklatsch dieses Jahres, liebe Freund*innen des gemütlichen Beisammenseins. (Ihr seid bei der Auswahl des Getränks natürlich völlig frei. Bei mir ist es heute ein wärmender Tee.)

Statt zum Neujahr Vorsätze zu fassen, stelle ich die Jahre seit einiger Zeit unter ein Motto. Ein oder zwei Wörter, die mir in den Tagen um den Jahreswechsel wichtig werden, schreibe ich auf, und nehme mir vor, mich in den nächsten Monaten daran zu orientieren.

Eine Zeit lang war es beinahe erschreckend, wie gut die Wörter dann auch im Nachhinein zu dem vergangenen Jahr passten. Selbsterfüllende Prophezeiung? Autosuggestion? Führung durch eine höhere Macht? Ich weiss es nicht, und es ist mir auch nicht wichtig.

Zu Beginn des letzten Jahres wollten mir keine Wörter einfallen. Ich probierte etwas herum, schrieb glaub sogar etwas auf, habe es aber direkt wieder vergessen. Im Nachhinein gesehen ist auch das nicht erstaunlich, denn was 2021 privat und beruflich an Herausforderungen und Veränderungen gebracht hat, war jenseits von allem, was ich mir zum Jahreswechsel gewünscht oder vorgestellt hatte.

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