Auf Recherchereise in Oslo

In meinem neuen Roman, der im Herbst 2019 erscheinen wird, kommen immer wieder Orte in Oslo vor. Ich kannte die Stadt von einer Norwegenreise, die achtzehn Jahre her ist, und schrieb die Erstfassung aus dieser Erinnerung. Während der Überarbeitungen wuchs mein Wunsch, genauer zu wissen, wo die einzelnen Szenen spielen, die Stimmung an den beschriebenen Orten zu spüren und einige konkrete Angaben und Namen in den Text einzustreuen.

Und so flogen mein Mann und ich Mitte Mai für vier Tage nach Oslo und folgten den Spuren meiner Romanfiguren.

Einmal mehr verschlug die Aussicht auf die Stadt und den Fjord ihr den Atem.

 

 

Sie gingen zur nahen Station der T-Bane und fuhren bis hinauf zum Frognerseteren.

 

 

 

 

«Fühlst du dich eigentlich hier mehr zu Hause oder in der Schweiz?», fragte sie, während sie langsam die Treppe zu Vigelands «Rad des Lebens» hinaufstiegen.

 

 

 

Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wie viel besser und echter mein Roman dadurch wird, dass er nun solche Sätze mit bestätigtem Wahrheitsgehalt beinhaltet, aber was ich sicher weiss, ist: Ich bin meinen Protagonisten auf dieser Reise noch näher gekommen, und mein Mann und ich erlebten eine tolle Zeit in einer grossartigen Stadt!

                               

 

 

Karfreitaggedanken

Was, wenn Jesus nicht auf die Erde kam, um für unsere Sünden zu sterben?

Was, wenn er auf die Erde kam, um uns zu zeigen, wie man wirklich liebt?

Was, wenn sein Tod nicht gewollt, sondern eine Folge der irdischen Lieblosigkeit war?

Was, wenn seine Auferstehung die radikale letzte Antwort auf diese Lieblosigkeit ist?

Dann tut mir Karfreitag wirklich weh. Dann ist mir Ostern noch viel mehr wert.

Langsam schreiben

Normalerweise bin ich eine Schnell- und Vielschreiberin. Meine übliche Herausforderung besteht nicht darin, Wörter zu finden und sie zu Geschichten zu machen, sondern das, was ins Dokument gesprudelt ist, leserfreundlich aufzubereiten und vor allem zu kürzen (immer wieder gern/ungern nach dieser Methode).

Mein aktuelles Projekt ist anders. Es gärt seit einem Jahr. Es gibt dazu auf meinem Computer einen Ordner „Archiv“ mit sechs Unterordnern. Sie enthalten längere und kürzere Fragmente, einer sogar ein Dokument, das der Länge nach durchaus als Manuskript durchgehen würde, inhaltlich leider nicht (es ist mein NaNoWriMo-Dokument und der endgültige Beweis, dass diese Geschichte nicht mit vielen schnellen Wörtern erzählt werden will).

Unzählige Male dachte ich in den letzten Monaten: Ich gebe es auf. Es ist nicht dran. Die Geschichte will nicht geschrieben werden. Ich suche mir neue Figuren und mache mich mit ihnen auf zu neuen Ufern. Aber da sind keine neuen Figuren, keine neuen Ufer, keine neuen Themen, die mich interessieren. Die Geschichte will durchaus geschrieben werden.

Ich habe sogar versucht zu plotten. Meinen „Ich-bin-ein-creative-writer“-Stolz beiseite geschoben und mir ausgedacht, was als nächstes passieren könnte, nur um mich beim anschliessenden Aufschreibenwollen tödlich zu langweilen und zu merken, dass die Figuren noch mehr bocken als sonst.

Schliesslich habe ich eingesehen: Die Geschichte will langsam und zäh entstehen. Es passt zu ihr. Es passt nicht zu mir, aber vielleicht kann ich seufzend und jammernd zugeben, dass es mir nicht schadet, wenn sie mich Langsamkeit und Geduld mit mir selbst lehrt.

#Schreibmotivation: 10 Minuten und ein Schreibwerkzeug

Auf Pinterest habe ich dieses Zitat von Cory Doctorow gefunden:

„Write even when the world is chaotic. You don’t need a cigarette, silence, music, a comfortable chair, or inner peace to write. You just need ten minutes and a writing implement.“

Die Frage ist natürlich, was ich auf Pinterest mache, und die Antwort ist ganz einfach: Trotz 10 Minuten Zeit und einem Schreibwerkzeug unter den Händen NICHT schreiben.

Für mich ist es eine dauernde Gratwanderung zwischen „setz dich einfach hin und schreib“ und „überliste dich selbst und bring dich in die richtige Stimmung, bevor du zu schreiben beginnst“.

Option zwei wird mir z.B. durch ein Kapitel in Natalie Goldbergs Ratgeber „Schreiben in Cafés“ bestätigt, dessen Titel lustigerweise auch mit einer Zigarette daher kommt: „Blauer Lippenstift (und eine Zigarette im Mundwinkel)“. Darin empfiehlt Frau Goldberg bei Langeweile über dem eigenen Schreiben unter anderem:

„Tragen Sie eine Baskenmütze, Hausschuhe und ein Nachthemd, Springerstiefel, Blaumann, einen dreiteiligen Anzug oder Lockenwickler oder rollen Sie sich in die amerikanische Flagge ein. (…) Versuchen Sie alles, um sich einmal anders zu fühlen und so die Welt mit anderen Augen wahrzunehmen.“

Ich habe diesen sehr ehrlichen Teil in mir, der genau weiss, ob ich auf der Suche nach Inspiration durchs Haus streife und passende Accessoires suche oder Pinterest/YouTube durchforste, oder oder ob ich einfach nur prokrastiniere (auf gut Schweizerdeutsch: usestüüdele). Ich weiss aber auch, dass ich manchmal auf meinen Trödeltouren durchs Internet ganz überraschend Inspiration finde, wie z.B. obenstehendes Zitat.

Mein Schreiben muss nicht immer produktiv und zielstrebig sein. Aber zehn Minuten pro Tag – die sollen sein!

 

 

Morgenseiten

Drei Seiten pro Morgen schreiben. Möglichst bevor die Aufgaben des Tages begonnen haben. Aufschreiben, was mir durch den Kopf geht, mit oder ohne Sinn. Tiefgründig, oberflächlich, chaotisch, strukturbringend.

Die Idee stammt aus dem Buch „Der Weg des Künstlers – ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“ von Julia Cameron, das ich nie in der Vollversion gelesen habe. Ich habe mich mit Frau Camerons Kurzfassung „Der Intensivkurs zum Weg des Künstlers“ begnügt.

Ich schreibe seit ungefähr zwei Jahren Morgenseiten. Nicht täglich, aber kontinuierlich. Nicht immer drei Seiten und schon gar nicht immer drei gleich lange Seiten. Meistens, wenn die Kinder am Morgen aus dem Haus gegangen sind, manchmal auch erst im Lauf des Tages. Viele Aha-Erlebnisse hatte ich auf diesen Seiten, viel Motivation habe ich gefunden, und immer wieder mache ich die verblüffende Erfahrung, dass die wertvollsten Worte fliessen, nachdem ich meinte, fertig zu sein.

Die Morgenseiten sind eines der Mittel, mit denen ich mich durch den Alltag als Mutter, Lerncoach, Hausfrau und Autorin manövriere. Sie helfen mir, bei mir selbst zu bleiben oder zumindest einmal am Tag dort anzukommen.

P.S. Bonuswin: Morgenseiten sind der perfekte Grund, um immer wieder neue Notizbücher kaufen zu dürfen!

Mama-Slang

Originaltext: Hoi, goht’s der guet, hesch Hunger, händer d’ Prüefig zruggöbercho, esch guet gange, hesch de Zettel abgäh, zieh d’ Schueh ab, bevor d’ ine chunsch!, wo isch ‘s Znüniböxli, hesch kei Hunger gha i de Pause oder het scho weder öpper Chueche mitbrocht, Händ wäsche!, was hesch för Plän höt Nomitag, wotsch Öpfumues oder Tomatesosse, nei, es get kei Sirup, en Guete, mer müend de no go Winterschue poschte, do hesch de Lumpe, putz sälber uf, Dessär get’s spöter, ab i d’ Mittagsrueh!

Übersetzung: Mis Chind, i ha di gärn!