Von Respekt und Rücksichtnahme

Nettes Foto von mir, oder?

Ehrlich gesagt, ist es mir sogar etwas zu nett.

Kann man zu nett sein?

Gedanken über den Umgang miteinander im Jahr 2021.

Willkommen in Mirjams Café: Nimm dir einen Kaffee oder etwas Stärkeres, denn heute will ich hier über Respekt und Rücksichtnahme sprechen.

Als Autorin habe ich die Fähigkeit, mich in verschiedene Figuren einzufühlen. Könnte ich das nicht, wären alle meine Buchcharaktere gleich und das gäbe doch eher langweilige Bücher.

Ich habe es immer als Stärke gesehen, dass es mir auch im realen Leben leichtfällt, verschiedene Meinungen zu verstehen, die Gefühle anderer Menschen zu respektieren und die Welt nicht in Richtig und Falsch einzuteilen. Rücksicht nehmen, freundlich sein, mich auf mein Gegenüber einlassen sind Dinge, die ich gut kann.

Als Systemisch-Lösungsorientierte Beraterin bin ich Verfechterin eines Konstruktivismus, der sagt, dass wir zumindest einen Teil unserer Wirklichkeit selbst kreieren. Ich weiss, dass alle meine Buchfiguren einen Teil von mir repräsentieren und ich zumindest einen Hauch ihrer Erfahrungen brauche, um sie schreiben zu können. Ich weiss auch, dass es trügerisch ist zu glauben, ich könne meine Mitmenschen verstehen, da ich sie immer aus meiner Warte wahrnehme und in meine Erfahrungswelt einsortiere.

Dennoch: Meine Feinfühligkeit macht es mir leicht, respekt- und rücksichtsvoll zu sein.

Und dann kam 2021. Das Jahr, in dem meine Rücksichtnahme an ihre Grenzen kam. Das Jahr, in dem ich merkte, dass es nicht funktioniert, wenn sie in erster Linie von einer Seite ausgeht. Dass dies im schlimmsten Fall allen schadet, auch der Person, auf die ich Rücksicht nehmen wollte. 2021, das Jahr, in dem ich fassungslos dabei zusehe, wie Menschen sich weigern, solidarisch zu sein, und es Freiheit nennen. Und dabei so unfassbar laut sind!

2021, das Jahr, in dem mein langjähriges Verhaltensmuster nicht mehr funktioniert, weil es nicht sein kann, dass die Feinfühligen, Gspürigen, Rücksichtsvollen schweigen und das Feld den Lauten und Extremen überlassen, egal welche Meinung diese vertreten.

#MiteinanderStattGegeneinander, einer meiner Lieblings-Hashtags in der Gemeinschaft der Buchmenschen, soll weiterhin in möglichst allen Bereichen meines Lebens gelten. Ich will mir den Respekt vor anderen Menschen und ihren Meinungen bewahren. Und nun kommt ein fettes ABER (und glaubt mir, ich meide dieses Wort wann immer möglich):

ABER ich schweige nicht mehr aus Rücksicht! Wenn mein Gegenüber seine Meinung kundtun darf, darf ich es auch. Leiser vielleicht, aber nicht weniger überzeugt.

Seht es mir nach, wenn ich Zeit brauche bei diesem Lernprozess und Fehler mache auf dem Weg.

Wie immer sind die Kommentare offen für eure Gedanken. Oder du schreibst mir über das Kontaktformular, wenn dir das lieber ist. Ich freue mich über den Austausch!

Im Café mit Ian und Anne

Von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Heute treffe ich mich in meinem Café mit Ian und Anne. Ian ist neben Alexa die Hauptfigur in meinen Romanen «Die andere Seite von SCHWARZ» und «Die Aussicht auf BUNT», Anne ist seine Mutter. Da die Romane in einem Zeitraum von beinahe vierzig Jahren spielen, lernt man beide Charaktere in den Büchern während verschiedener Lebensphasen kennen.

Inhaltshinweis: In diesem Blogbeitrag kommen die Themen Depressionen und ein verdrängtes Kindheitstrauma vor.

Hei, ihr Lieben, schön euch wieder einmal zu sehen. Herzlich willkommen in meinem Café!

Anne: Danke für die Einladung. Ich habe mich gewundert, dass du Ian und mich eingeladen hast und nicht Ian und Alexa.

Der Grund dafür ist eines meiner Lieblingszitate aus «Die Aussicht auf BUNT», nämlich Ians Aussage «Wir können die Vergangenheit nicht ändern, nur die Zukunft neu schreiben.» Das sagt er im Gespräch mit dir.

Anne: Ja. Vielleicht weil wir beide uns am meisten wünschen, dass wir die Vergangenheit ändern könnten.

Stimmt das denn, Ian?

Ian: Ich glaube, ich hätte den Satz zu jedem und jeder aus unserer Familie sagen können. Ich glaube auch nicht, dass Mamma und ich uns mehr wünschen, wir könnten die Vergangenheit ändern, als meine Schwestern und mein Vater dies tun. Aber wir konnten am offensten darüber reden. Sagen wir hier eigentlich, worum es genau geht?

Ich würde es gern allgemein halten, damit zukünftige Lesende von «Die andere Seite von SCHWARZ» nicht gespoilert werden. Was wir aber sagen können, damit alle verstehen, wovon wir reden: Am Ende des Buches kommst du, Ian, während einer Therapiesitzung einer verstörenden Kindheitserinnerung auf die Spur. Du suchst das Gespräch mit deiner ältesten Schwester, und ihr geht gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit.

Ian: Dabei fanden wir heraus, dass die plötzlich hochgekommene Erinnerung richtig war. Mein Unterbewusstsein hatte die Erfahrung verdrängt, aber nie vergessen.

Was hat sich danach für dich geändert?

Ian: Den Grund für meine langjährigen Depressionen zu kennen, war eine Erleichterung. Endlich verstand ich mich selbst besser. Doch das Wissen um die Ursache machte nicht einfach alles gut. Mein Leben ging weiter, die alten Muster waren immer noch da, und neue Herausforderungen kamen hinzu.

Davon handelt Band 2 eurer Geschichte, «Die Aussicht auf BUNT». Du erzählst darin von deiner Kindheit und Jugend und von deinem neuen Leben mit dem Wissen um die Geschehnisse in der Vergangenheit. Welche der neuen Herausforderungen hast du als besonders gross in Erinnerung?

Ian: Es war wohl die Kombination von allem. Der veränderte Umgang miteinander in unserer Familie, weil wir alle verschieden mit der Situation umgingen. Die Reaktionen meines Körpers und meiner Psyche auf die neue Wirklichkeit. Und ganz viele Fragen aus der Kategorie «Was wäre gewesen, wenn…?».

Ich nehme an, diese Fragen kennst du auch, Anne?

Anne: Für mich sind es weniger Fragen, als vielmehr Schmerz über das, was geschehen ist. Trauer über unsere Unfähigkeit, das Richtige für unsere Kinder zu tun.

«Wir können die Vergangenheit nicht ändern» – was bedeutet das für dich?

Anne: Es bedeutet ganz viel verlorene Zeit. Verpasste Chancen. Menschen, die von meinen Entscheidungen für ihr Leben geprägt wurden.

Was würdest du ändern, wenn du es könntest?

Anne: Wenn ich mit meinem heutigen Wissen zurückreisen könnte, würde ich der jungen Mutter Anne sagen, dass sie die Schuld für das, was geschehen ist, nicht bei sich suchen soll. Ich würde ihr sagen, dass sie die Möglichkeit hat, für sich und ihre Familie Hilfe zu holen. Dass sie einen Unterschied machen kann und dass sie stärker ist, als sie glaubt. Wenn ich noch weiter in die Vergangenheit reisen könnte, würde ich das junge Mädchen Anne darin bestärken, auf ihre Gefühle zu achten, ihnen zu vertrauen und danach zu handeln.

O ja, das würde bestimmt einen Unterschied machen! Und du, Ian, was würdest du ändern?

Ian: Klar, manchmal wünsche ich mir, mein Unterbewusstsein hätte die Erinnerungen früher freigegeben. Aber viel wichtiger als die Frage nach der Vergangenheit finde ich diejenige nach der Gegenwart. Darauf richte ich meine Aufmerksamkeit, diese kann ich verändern und damit die Zukunft beeinflussen.

Was hilft dir dabei, ausser deiner eigenen Stärke?

Ian: Alexa. Unsere Beziehung, die so viel ausgehalten hat und dabei beständig und fest wurde. Mein Wunsch nach einem einfacheren Leben an ihrer Seite. Und natürlich Yuna, unsere Tochter, die mit so viel Energie in unser Leben gepurzelt ist! Ich will, dass sie genau das lernt, was du, Mamma, als junge Frau gern gekonnt hättest: Auf ihre Gefühle zu achten und sich selbst zu vertrauen. Ich will ihr dies vorleben, und dafür muss ich meine Gefühle aushalten und nicht wie gewohnt vor ihnen flüchten.

Anstrengend?

Ian: Sehr! Und lohnenswert.

Und du, Anne? Schreibst du die Zukunft auch neu?

Anne: Ich hoffe, dass ich durch meine Bereitschaft, mit Ian, Alexa und meinen Töchtern über die Fehler der Vergangenheit zu reden, dazu beigetragen habe, eine neue Zukunft für sie zu schreiben. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Eine gute Zukunft für meine Enkelkinder! Für mich und meinen Mann wünsche ich mir weniger eine andere Zukunft, als eine lebenswerte Gegenwart. Ich würde Ians Zitat für mich umformulieren: Wir können die Vergangenheit nicht ändern, nur die Gegenwart leben.

Ian: Das gefällt mir! Es ist das, was wir machen, Alexa, Yuna und ich. Jeden Tag.

Danke, Ian und Anne. Danke für den Einblick in eure Gedanken, und danke für das neue Zitat!

Ich schlage vor, dass wir uns nun Kaffee und Zimtschnecken zuwenden und unsere Runde öffnen.

Liebe Lesende, mögt ihr eure Gedanken zu den angesprochenen Themen in die Kommentare schreiben? Habt ihr Fragen an Ian, Anne oder mich?

Und hier noch der dezente Hinweis auf die beiden Romane, die Ians Geschichte ausführlich erzählen: Alle Infos finden sich unter Bücher.

Schreiben, lesen, sich organisieren

Hoi! Schön, dass du den Weg in mein Café gefunden hast. Ich sitze mit einem Glas Orangensaft am Küchentisch, weil ich letzten Samstag gemerkt habe, dass mir zu viel Kaffee auch am Wochenende nicht guttut.

„Mirjams Café“ hat heute zum zweiten Mal geöffnet, hier noch einmal die Idee dahinter:

Zum neuen Namen meines Blogs hat mich mein Lieblings-Schreibratgeber inspiriert, der in der deutschen Ausgabe „Schreiben in Cafés“ heisst (Natalie Goldberg im Autorenhaus Verlag). Cafés sind für mich Orte der Geselligkeit und des Genusses, genauso wie Orte zum Lesen und Schreiben. In „Mirjams Café“ gibt es alles davon: Hier erzähle ich von meinem Schreiben und Lesen, teile meine Gedanken und würde mich freuen, wenn in den Kommentaren Gespräche stattfinden könnten.

Schreiben – wie?

Ich bin diese Woche zurück zu meinen Schreibwurzeln gegangen. Bei Milena Moser hatte ich den Schreibkurs besucht, der mein Romanschreiben ins Rollen brachte. Nun buchte ich ihren neuen Onlinekurs „Mein SchreibZen„.

Meditieren und Schreiben. Alles, was ich in den letzten Jahren übers Schreiben und Veröffentlichen, über den Buchmarkt und Marketing gelernt habe, weglegen und mich auf meine Geschichte konzentrieren. Leer werden, um aus dem Vollen zu schöpfen.

Bei einigen von Milenas Aussagen in den Videos sind mir die Tränen gekommen. Weil mich ihre Worte daran erinnert haben, wie wichtig mir das Kreative Schreiben an sich ist. Und immer wieder die Erinnerung: Wenn du deine Geschichten schreiben willst, musst du es tun. Es genügt nicht, einen Kurs zu buchen und Videos zu schauen. Ich muss mich hinsetzen und schreiben.

Schreiben – wann?

Erkenntnis der Woche: Die Aufteilung meines Kalenders in «Arbeitstage» und «Schreibtage» funktioniert auch mit dem neuen Job nicht. Lieber schreibe ich auch an den Arbeitstagen ein paar Wörter und nehme mir dafür an den Schreibtagen Zeit, für die Schule vorzubereiten.

Es ist der x-te Versuch, meinen Alltag thematisch zu strukturieren, und es sollte mich nicht wundern, dass auch dieser gescheitert ist. Vielmehr wundert mich, dass ich es immer wieder versuche.

Resultat des täglichen Schreibens: Bisher 731 neue Wörter in der Geschichte von «Liv und Celeste». Das ist wenig für eine Woche, aber es sind 731 Wörter mehr als zuvor. Als ich Sophia geschrieben habe, es seien Babysteps, schrieb sie zurück: «Es sind Steps!» Und so ist es.

Lesen

Gelesen habe ich auch! «Useless Fame – Flügel für die Liebe» von Sophie M. Seller habe ich beendet, und was bin ich verliebt in diese Geschichte und ihre Hauptfiguren!

«Pfad ins Dunkel» von Michael Leuchtenberger habe ich angefangen. Noch vermochte mich die Geschichte nicht völlig zu packen, aber auf den letzten Seiten, die ich gelesen habe, nahm sie an Fahrt auf. Ich bin gespannt, wie das Leseerlebnis weitergeht.

Während ich Romane eigentlich nur noch auf dem E-Reader lese, habe ich mir diese Wöche drei Bücher als Prints gekauft. Milena Mosers «Das schöne Leben der Toten» habe ich gleich angefangen zu lesen und bin fasziniert!

Schreiben? Lesen? Sich organisieren?

Mag sich jemand zu mir ins Café setzen und ein bisschen über diese Themen plaudern?

(Wie schön dies im Leben ausserhalb des Internets sein kann, durfte ich gestern wieder einmal erleben. Vor lauter spannenden Gesprächen bin ich überhaupt nicht dazugekommen, mich vom Umfeld fürs Schreiben inspirieren zu lassen!)

Willkommen in Mirjams Café

Mein Lieblings-Schreibratgeber heisst in der deutschen Ausgabe „Schreiben in Cafés“ (Natalie Goldberg im Autorenhaus Verlag). Dieses Buch voll kreativer Schreibanregungen hat mich zum neuen Namen meines Blogs inspiriert: „Mirjams Café“.

Cafés sind für mich Orte der Geselligkeit und des Genusses, genauso wie Orte zum Lesen und Schreiben. In „Mirjams Café“ gibt es alles davon: Hier erzähle ich von meinem Schreiben und Lesen, teile meine Gedanken und würde mich freuen, wenn in den Kommentaren auch Gespräche stattfinden können.

Also macht es euch gemütlich bei Kaffee oder Tee, Süssgebäck oder einem Gipfeli und taucht mit mir ein in die Welt der Buchstaben.

Der November in Mirjams Café

Schreiben

Auch wenn der NaNoWriMo dieses Jahr ohne mich stattfindet, will ich im November schreiben. Mein Projekt „Liv und Celeste – Rockromance und mehr“ wächst langsam, aber stetig.

Du weisst nicht, was der NaNoWriMo – der Nation November Writing Month – ist? In diesen Beiträgen habe ich schon davon berichtet:

NaNoWriMo? No!

Lesen

Gerade lese ich „Useless Fame – Flügel für die Liebe“ von Sophie M. Seller. Ich habe bereits die ersten beiden Bände ihrer Rockromance-Reihe rund um die Rockband „Cursed Instant“ verschlungen. Die Geschichte von Bassist Ryan und seiner Innenarchitektin Allie gefällt mir allerdings noch einen Tick besser. Heisst: Ich bin begeistert (und ein wenig verzweifelt, dass Sophie noch nicht fertig ist mit der Fortsetzung)!

Auf meinem E-Reader warten die Bücher weiterer Selfpublisher*innen:

„Zwischeneinander“ von Catherine Strefford

„Pfad ins Dunkel“ von Michael Leuchtenberger

„Irgendwo dazwischen oder: Das mit Percy“ von Sabine Nagel

Als Hardcover will ich im November zudem „Das schöne Leben der Toten“ von Milena Moser lesen.

Plaudern

Wisst ihr schon, was ihr im November lesen möchtet? Habt ihr Büchertipps für mich?

Und nimmt jemand die 50’000 NaNo-Wörter in Angriff?!

Wie viel soziale Interaktion vertrage ich?

Ich bin eine Person, die vieles ungefiltert aufnimmt. Begegnungen mit Menschen, Worte, nonverbale und unterschwellige Botschaften, Gefühle. Oft beschäftigt mich Gesehenes, Gelesenes und Gehörtes tagelang.

Im Lauf der Zeit habe ich gelernt, dass nicht alles, was ich auf mich münze, auch so gemeint ist. Dass ich mir manchmal Dinge zu Herzen nehme, die für den/die Sender*in schon lange vorbei sind. Dass vieles nicht relevant ist für mein Leben. Längst trifft mich nicht mehr alles bis ins Mark.

Aber es trifft mich. So wie es uns alle trifft. Aktionen, Worte, Gefühle von Menschen treffen in uns drin auf Resonanz, lösen etwas aus und lassen uns reagieren. So funktioniert menschliche Interaktion (sehr kurz zusammengefasst), und ich liebe dieses Zusammenspiel. Ich interessiere mich für meine Mitmenschen, für ihre Meinungen, ihre Sicht auf die Welt, für Reaktionen und Gefühle. Es ist kein Zufall, dass ich Berufe gewählt habe, die mich mit Menschen zusammenbringen. Die Freude an Kontakten ist zudem einer der Gründe, weshalb ich seit der Pandemie meine Aktivität auf Social Media und überhaupt im Internet verstärkt habe. Ich suche den Austausch auf diesem Weg und freue mich, wenn er stattfindet.

Und manchmal wird er mir zu viel.

Den Begriff Social Overload finde ich sehr passend für das Gefühl, die persönliche Grenze an möglichen sozialen Interaktionen erreicht zu haben. Eben – überfüllt zu sein von dem, was im Austausch mit Menschen auf mich einprasselt. Bei mir ist die Grenze nicht jeden Tag am selben Ort. In 45 Jahren Erfahrung habe ich aber ziemlich gut gelernt, den Overload wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Wann immer möglich, ziehe ich mich dann zurück, mache Pause und gönne mir und meinen überreizten Sinnen und Gedanken etwas Regeneration, z.B. mit Lesen, Spazieren, einem Bad oder auch einem Fernsehabend mit oder ohne Familie.

Die Aktivität auf Social Media und in Onlineforen bringt allerdings neue Herausforderungen mit sich. Begegnungen mit Menschen und Themen, auf die ich in meinem Alltag kaum treffen würde, bereichern mein Leben und mein Denken. Und manchmal belasten sie es. Das ist okay, schliesslich habe ich mich auf die Begegnungen eingelassen, aber wenn ich meine Ressourcen mehr für Internetkontakte brauche als z.B. für meine Familie, stimmt es für mich nicht mehr. Wenn meine Gedanken um einen Tweet, einen Kommentar, eine zufällig gesehene Meinung kreisen, statt dass ich meinen Kindern aufmerksam zuhöre, ist laut meinem Wertesystem etwas schiefgelaufen.

Zusätzlich treffe ich auf Social Media unverhofft auf Themen, die mir nicht guttun. Während ich im direkten Gespräch eher steuern kann, auf welche Thematiken ich mich wann einlasse, spült mir das Internet oft ungefragt Themen in den Alltag. Letzte Woche war es ein Tweet zum Thema Abtreibung, der mich frühmorgens aus der Bahn geworfen hat. Hätte ich es geschafft, nur den Ausgangstweet zu lesen und nicht auch noch die Kommentare dazu, wäre es wohl kein Problem gewesen, aber ich war – wieder einmal – einfach zu neugierig, um nicht weiterzulesen. Es war für mich der Startschuss zu einer Twitterpause und zu grundsätzlichen Überlegungen zum Thema Internetpräsenz und medialem Social Overload.

Seit Anfang August habe ich eine neue Stelle, bei der ich viel Kontakt mit Menschen und ihren Geschichten habe. In den letzten Wochen waren privat wieder mehr Begegnungen – auch in kleinen Menschengruppen – möglich. Jedes Familienmitglied hat wieder vermehrt soziale Interaktionen und bringt entsprechende Stimmungen und Themen nach Hause. Der Overload-Pegel ist wieder schneller erreicht, auch ganz ohne Online-Aktivitäten.

Und doch will ich nicht auf die Präsenz auf Social Media verzichten.

Ich mag meinen Instagram-Account, ich finde Twitter spannend, ich wünsche mir Zeit für meine Writing Buddys aus dem Internet, und ich möchte diesen Blog gern wiederbeleben. Gleichzeitig will ich mich davor schützen, zu viel Energie im Internet zu verlieren, die mir dann in der Familie, bei der Arbeit und beim Schreiben nicht mehr zur Verfügung steht (schliesslich habe ich zwei Buchcharaktere am Start, die ungeduldig darauf warten, dass ich endlich ihre Geschichte erzähle).

Meine momentane Lösung heisst: Meine Zeit und Aktivität auf Social Media bewusster gestalten. Kein schnellen Besuche in den sozialen Netzwerken am frühen Morgen oder über Mittag. Unterscheiden zwischen Ablenkung und Konsum im Gegensatz zu aktivem Austausch und Vernetzung. Manchmal will ich mich nämlich nur kurz auf Instagram, Twitter oder Facebook ausruhen, und dann sehe ich Kommentare, Posts, eine Rezension oder eine private Nachricht, auf die ich eigentlich reagieren möchte, aber dann habe ich gar keine Energie mehr dafür. Ich mag nicht diskutieren, mich nicht einbringen, mich nicht entscheiden, ja, manchmal mag ich mich nicht einmal mehr öffentlich über etwas zu freuen, weil ich sozial und emotional überladen bin. Dieses Nicht-Reagieren will ich mir mit gutem Gewissen erlauben, genauso wie ich mir erlaube, Zeit zu investieren in Kontakte, die ich «nur» über Social Media oder ein Forum pflege.

Ob sich das bewährt? Ob ich «de Föifer ond ‘s Weggli» haben kann, also Austausch und Kontakt online und offline und dabei immer noch Pausen von Social Overload?

Habt ihr Erfahrungen mit den Themen Social Overload, Digital Balance oder ganz einfach damit, wie viel sozialer Austausch für euch stimmig ist?

Indie-Buchstabenjagd

Für den Zeitraum der Leipziger Buchmesse 2021 (die natürlich nur virtuell stattfindet), hat die Plattform Indie-Bücher ein richtig tolles Gewinnspiel organisiert! Alle Infos dazu gibt es auf https://indie-buecher.com/buchstabenjagd-2021/

Kurz zusammengefasst: Folgt dem Hashtag auf Social Media, sammelt Buchstaben und setzt daraus den Lösungssatz zusammen.

Bis spätestens 02.06.2021 um 23.59 Uhr: Mail an mail@indie-buecher.com mit dem Betreff „Buchstabenjagd Lösungssatz“.

Mit etwas Glück gewinnt ihr einen tolino shine (sponsored by tolino media) und eine Ladung Indie-EBooks (sponsored by Indie-Bücher).

Teilnahmebedingungen unter https://indie-buecher.com/teilnahmebedingungen-buchstabenjagd/

Meinen Beitrag zur Buchstabenjagd findet ihr auf Instagram:

Noch eine Woche bis zur Veröffentlichung

Es war einmal ein Roman, der sich ein bisschen zierte, fertig zu werden. Vielleicht hatte es mit den Themen zu tun, um die er sich drehte: Geborgenheit, Nähe und Aufbruch.

So sehr der Roman und seine Autorin sich den Aufbruch wünschten, so sehr genossen sie halt auch die Nähe zueinander und die Geborgenheit jenseits der Öffentlichkeit.

Doch dann wurde es Mai, und die Zeit des Aufbruchs war endgültig gekommen. Und so darf ich endlich verkünden, wann „Die Aussicht auf BUNT“ in den Buchhandel kommt:

🎉 Am 17. Mai 2021, dem norwegischen Nationalfeiertag und Geburtstag von Protagonistin Alexa 🎉

Lesungen stehen noch keine fest, im Hintergrund laufen aber Planungen für Aktionen, bei denen wir uns alle sicher fühlen können. Signierte Taschenbücher können bei mir vorbestellt werden – ich freue mich, sie zu verschicken oder persönlich vorbei zu bringen.

Gespräch zum Jahreswechsel

«Vielen Dank, Alexa!»

«Wofür?»

«Dafür, dass du mit diesem Satz herausrückst, just an dem Tag, an dem alle Welt Vorsätze fürs neue Jahr fasst. Einen Tag, nachdem ich verkündet habe, dass ich mir Ziele setzen will für meine Social-Media-Accounts. Einen Tag, bevor das Jahr anfängt, in dem ich die Fortssetzung von deiner und Ians Geschichte veröffentlichen will!»

«Na, und?»

«An diesem Tag kommst du mit der Aussage, dass wir das Leben sowieso nicht planen können?»

«Hm … Mirjam, du weisst aber schon, dass du mir den Satz in den Mund gelegt hast, oder?»

«Ja. Das weiss ich natürlich.»

«Und du weisst, dass er in der Szene, in der ich ihn zu Ian sage, weder resigniert noch niederschmetternd klingt, sondern sehr, sehr hoffnungsvoll. Es gibt Momente, da sind es nicht Pläne, die wir brauchen.»

«Sondern? Was war es, was ihr in dem Moment gebraucht habt?»

«Vertrauen, Mirjam.»

«Oh … Für diesen Perspektivenwechsel danke ich dir nun wirklich von Herzen, Alexa! Vertrauen ist das Wort, mit dem ich dieses Jahr beenden und das nächste anfangen will. Auch wenn ich mir dabei erlaube, auch Pläne zu machen.»

«Ich wünsche dir alles Gute dafür. Und ich freue mich auf unser nächstes gemeinsames Abenteuer!»

«Ich mich auch! Ich wünsche dir und Ian einen wunderschönen Silvester, Alexa, wo immer ihr ihn verbringen mögt. Bis im nächsten Jahr.»

Bis im nächsten Jahr, liebe Leser*innen! Ob ihr Team «Pläne und Vorsätze» oder Team «annehmen, was kommt» oder wie ich Team Mixed seid – ich wünsche euch einen guten Jahreswechsel und einen vertrauensvollen Blick in die Zukunft.

Small Talk mit Maria

Wir sassen uns in der Kirche gegenüber, Maria und ich, gut eine Stunde lang.

„Hallo, du Reine.“

„Ich – was?“

„Die Pfarrerin hat einen Liedtext vorgelesen über Maria, die Reine. Das bist du.“

„Hm.“

„Ich weiss. Du bist in den letzten Tagen quer durchs Land gelaufen, und am Ende bist du in einem Stall gelandet. Ohne Dusche und fliessendes Wasser.“

„Und da habe ich mein Kind geboren. Mein erstes Kind. Und zwar nur mit der Hilfe meines Mannes.“

„Danach kamen Hirten zu Besuch. Direkt vom Feld. Mit ihren Schafen.“

„Ja. Von wegen rein.“

„Du meinst, der Typ, der das Lied getextet hat, hat dich etwas überschätzt?“

„Nein. Er hat mich unterschätzt!“

Die reine Magd, die denjenigen geboren hat, um den sich in Zukunft alles drehen wird, und deren Aufgabe damit erfüllt ist. Weder Maria noch ich sind am heutigen Weihnachtsmorgen einverstanden mit dieser Interpretation ihrer Geschichte.

Die inspirierenden Krippenfiguren der Künstlerin Agnes Hodel stehen immer im Dezember in der Kirche Niederlenz.